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Montag, 10. Dezember 2018

Frédéric Chopin

Klavierkonzert Nr.1 op.11

Keiner der großen Klaviervirtuosen des 19. Jahrhunderts konzentrierte sich so ausschließlich auf sein Instrument wie Chopin. Alles, was nicht 88 Tasten hatte, schien den sensiblen Musiker nicht zu interessieren. Der Großteil seiner Werke sind Kompositionen für Klavier solo, eine Orchesterbegleitung wie in den beiden Klavierkonzerten verlangte Chopin nur in einigen seiner frühen Werke.


Es gibt zwei Möglichkeiten, Chopins Vornamen zu schreiben: Mit Fryderyk betont man die polnische Herkunft des Komponisten, schreibt man Frédéric, so beruft man sich auf dessen französische Identität. Beide Schreibweisen sind zulässig, auch wenn man vielerorts mit der polnischen Variante auf Befremdung stoßen wird. Chopin wird von der großen Mehrheit der weltweiten Hörerschaft immer noch für einen Franzosen gehalten, weil der französische Teil seiner Biografie bekannter ist: Als reifer Künstler lebte (und starb) Chopin in Paris, in dessen Salons er als Pianist berühmt geworden war; allgemein bekannt ist auch seine Beziehung zur Schriftstellerin George Sand und das Chopin-Gemälde von Delacroix, darüber hinaus klingt der Name "Chopin" französisch - Chopins Vater war Franzose polnischer Abstammung und kam 1787 nach Warschau. Als sein Sohn im Februar 1810 geboren wurde, war er Erzieher im Hause Skarbek, einer gräflichen Familie in Zelazowa Wola. Bereits im Herbst 1810 zog die Familie ins 60 Kilometer entfernte Warschau, wo Chopin seine musikalische Ausbildung erhielt. Von seinem ersten Klavierlehrer, dem renommierten Pädagogen Wojciech Zywny, hatte Chopin auch später noch eine hohe Meinung und behauptete einmal, daß selbst ein Esel beim Herrn Zywny spielen gelernt hätte. Entscheidenden Einfluß auf den jungen Komponisten hatte jedoch Józef Elsner, ein damals erfolgreicher Komponist und Rektor der Warschauer Konservatoriums. Elsner beurteilte seinen Schüler mit wenigen, aber aussagekräftigen Worten: besonders begabt - ein musikalisches Genie. Ähnlich äußerte sich Robert Schumann 1831 in einem Artikel für die Allgemeine musikalische Zeitung über den noch unbekannten Chopin: Hut ab, ihr Herren, hier ist ein Genie! - nach dieser Stellungnahme kündigte das bedeutende Musikblatt übrigens die Zusammenarbeit mit seinem jungen Redakteur. Aber nicht die Tatsache, dass Chopin in Warschau ausgebildet wurde, macht ihn zu einem polnischen Komponisten, sondern vielmehr seine patriotische Gesinnung. Chopins Musik hat eine entschieden polnische Färbung. Zum einen stilisiert der Komponist polnische Nationaltänze wie die Polonaise oder die Mazurka, zum anderen zeigt seine Musik eine spezifisch polnische Emotionalität, die in engem Zusammenhang mit der polnischen Lage jener Zeit gesehen werden muß. Polen war nach der dritten Teilung (1795) durch Preußen, Österreich und Rußland von der Landkarte Europas verschwunden, doch dem polnischen Volk blieb noch die eigene Kultur, in der die Künstler gegen die Besatzer rebellierten. Diesen Zug bemerkte auch Schumann, als er schrieb: Eine entschieden originelle Nationalität, nämlich die polnische ... Denn wüßte der gewaltige selbstherrschende Monarch im Norden, wie in Chopins Werken, in den einfachen Weisen seiner Mazurkas, ihm ein gefährlicher Feind droht, er würde die Musik verbieten. Chopins Werke sind unter Blumen eingesenkte Kanonen. Der Monarch im Norden, gemeint ist Friedrich Wilhelm III., maß Chopin sicher noch keine Bedeutung zu, doch im 20. Jahrhundert war Chopins Musik schon allgemein bekannt und wurde, nachdem die Nazis 1939 Polen besetzt hatten, wegen ihres nationalen Charakters verboten. Nach Kriegsende begann sich das Werk Chopins erneut zu verbreiten und ist in unserer heutigen Medienlandschaft weltweit präsent. Wie immer man auch seinen Vornamen schreibt, Chopin ist und bleibt bei allen französischen Verbindungen ein Aushängeschild der polnischen Kultur.


Die erste Veröffentlichung einer Polonaise von 1817

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