> > > Die Winterreise
Montag, 14. Oktober 2019

Franz Schubert

Die Winterreise


Im dritten Teil schließlich erscheint die Triolenbewegung am Ende wieder als das Rauschen der Zweige, nur dass diesmal hinter dem Rauschen eine Aussage steht, die aus dem Mittelteil hervorgeht: Und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu: komm her zu mir, Geselle, hier findest du deine Ruh'!. Am Schluß des Liedes steht dieser Satz in der indirekten Rede: ... und immer hör' ich's rauschen: du fändest Ruhe dort! Es ist der Gedanke an die ewige Ruhe, der den Sänger nicht mehr losläßt und das Nachspiel des Klaviers ist ein süß klingendes Bild vom Tod, der dem leidenden Menschen die ersehnte Ruhe bringt. An keiner anderen Stelle in diesem Liederzyklus hat Schubert die Gegenwart mit so warmen Klängen vertont. Aber schnell finden sich Sänger und Zuhörer in der kalten Winterlandschaft wieder und die ziellose Reise geht weiter, bis die Nacht herein bricht, also - so könnte man es sehen - der erste Tag der Reise zu Ende geht. Das zehnte Lied (Rast) beginnt mit einer trägen, fast hinkenden Tonfolge, der dann sinngerecht die Worte des Sängers folgen: Nun merk' ich erst, wie müd' ich bin, .... Die Nacht verbringt er in eines Köhlers engem Haus und kommt auch hier nicht zur Ruhe, zu sehr schmerzen die Glieder und das Herz fühlt in der Still' erst seinen Wurm mit heißem Stich sich regen. Mit dem Frühlingstraum folgt dann doch ein kurzer Moment der Entspannung. In hellem A-Dur erklingt das Klaviervorspiel aus einer anderen Welt und der Sänger träumt von bunten Blumen, von grünen Wiesen und lustigem Vogelgeschrei. Doch dann das Erwachen: Ein Hahnenschrei weckt den Träumer und plötzlich war es kalt und finster und statt den lustigen Vögeln schrieen die Raben vom Dach. Halb wach, halb schlafend - die Begleitung suggeriert Benommenheit - starrt der Sänger auf die Fensterscheiben und bemerkt die Eisblumen, die ihm wie ein Hoffnungsschimmer erscheinen: Wann grünt ihr Blätter am Fenster? Wann halt ich mein Liebchen im Arm? Hier stehen zwei Unmöglichkeiten nebeneinander, die der Sänger in seinem Wunschdenken aber nicht als solche erkennt. Schließlich macht er sich wieder auf den Weg und zieht einsam seine Straße dahin mit trägem Fuß.

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