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Donnerstag, 21. November 2019

Giovanni Pierluigi Palestrina

Missa Papae Marcelli


Am 15. Dezember 1545 wurde das Konzil im Dom von Trient eröffnet.
Am 15. Dezember 1545 wurde das
Konzil im Dom von Trient eröffnet.

Die Kompositionstechnik Palestrinas wurde zum Vorbild der mehrstimmigen katholischen Kirchenmusik und ist bis in unsere Tage ein wichtiges Kapitel im Studium des Kontrapunktes. Dabei schrieb Palestrina eigentlich im Stil von Josquin Desprez, dem bedeutendsten Vertreter der dritten Generation, wobei er diesen Stil lediglich verfeinerte und ihn von allen überflüssigen Elementen befreite. In den Chorsätzen Palestrinas stehen nur die Noten, die für die Komposition unverzichtbar sind und außerdem einem strengen Regelwerk unterliegen. Die meisten dieser Regeln beziehen sich auf die behutsame Behandlung von Dissonanzen, denn die Konsonanz des Dreiklangs ist ein wesentliches Stilmerkmal bei Palestrina. Zur Ästhetik dieser Musik gehört auch der volle Chorklang, den der Komponist durch die Teilung einzelner Stimmgruppen erreicht. In der Missa Papae Marcelli werden jeweils der Baß und der Tenor in zwei Gruppen unterteilt, wodurch mit den beiden hohen Stimmen (Altus und Cantus) ein sechsstimmiger Chorklang entsteht. Am Schluß des Werkes - im Agnus Dei II - steigert Palestrina die Zahl der Stimmen noch auf sieben. Im Gegensatz zu vielen anderen Werken des italienischen Meisters, in denen die Stimmen eng miteinander verwoben sind, gibt es in dieser Messe einen ausgewogenen Wechsel zwischen polyphonen und homophonen Abschnitten. Das Kyrie ist durchweg polyphon gestaltet und erinnert an einen Kanon. Jede Stimme setzt mit einem gleichen Motiv ein - in der Renaissancemusik Soggetto genannt. Es besteht aus einem Quartsprung aufwärts und wird durch eine stufenweise abwärts geführte Bewegung ausgeglichen - genauso beginnt übrigens "L'homme armé". Hat Palestrina also doch die beliebte Melodie in diese Messe übernommen? Die ersten vier Stimmen setzen sehr schnell nacheinander ein, um möglichst bald einen vierstimmigen Satz zu erreichen. Erst zwei Takte später kommen Tenor II und Baß I hinzu und vervollständigen den Chorklang. In textarmen Bestandteilen des Messordinariums und somit auch im Kyrie herrscht die polyphone und kontrapunktisch anspruchsvollere Schreibweise vor. Die Teile Gloria und Credo stellen aufgrund ihres umfangreichen Textes andere Anforderungen an den Komponisten, zumal dieser eine Textverständlichkeit beabsichtigt. Das Gloria dieser Messe besitzt auffallend viele Pausen und vermeidet dadurch den vollen sechsstimmigen Klang. Zwar haben alle sechs Stimmen ihren Part zu singen, doch klingen sie nur an wichtigen Stellen wie am Ende der einzelnen Sinnabschnitte zusammen. Auch bei der Textausdeutung spielt die Stimmenanzahl eine Rolle: So klingen alle Stimmen im Gloria erst auf dem Wort "domine" zusammen und betonen es außerdem noch durch einen gemeinsamen Rhythmus. Die Funktion der Anrede wird so verdeutlicht. Auch der Imperativ "suscipe" (höre unser Flehen) gewinnt durch diese klangliche Intensivierung an Ausdruck. Die rhythmische Gestaltung ist sowohl im Gloria als auch im Credo einfach gehalten. Meist singen die beteiligten Stimmen im Blocksatz, es gibt also keine rhythmischen Verschiebungen zwischen den Stimmen. Nur selten und bevorzugt bei Schlußwendungen, den sogenannten Klauseln, treten in einer Stimme Verzierungen auf. Erst beim abschließenden "Amen" verselbständigen sich die Stimmen und krönen den Satz durch den somit entstehenden vom Konzil verlangten würdigen Ausdruck. Beim Credo ist dieser Affekt wesentlich stärker ausgeprägt - hier erstreckt sich das "Amen" über zwölf Takte. Das Sanctus knüpft in der Kompositionsmethode und auch im motivischen Material an das Kyrie an, verlangt jedoch auf rhythmischer Ebene noch mehr Flexibilität vom Chor. Das folgende Hosanna beginnt wieder im Blocksatz, zeigt aber im weiteren Verlauf zunehmend Verzierungen und gewinnt dadurch an Polyphonie. Der Übergang vom Hosanna zum Benedictus ist ein deutlicher Einschnitt für den Hörer: Mit einem sechsstimmigen Durakkord endet der vierte Satz und weicht einer kleinen Gruppe von Sängern (Soli oder Semichorus), die einen klanglich bescheidenen vierstimmigen aber rhythmisch interessanten Satz vortragen. Das nun folgende Hosanna ist das gleiche wie das nach dem Sanctus. Statt nur eines Schlußteils komponierte Palestrina das Agnus Dei in zwei Fassungen. Die erste ist sechsstimmig und greift auf das Kyrie zurück, das zweite verlangt sieben Stimmen und ist nicht ganz so deutlich auf den ersten Satz zu beziehen, da die Oberstimmen nicht an das schon bekannte Soggetto anknüpfen.

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