> > > Ouvertüre "Ein Sommernachtstraum"
Montag, 10. Dezember 2018

Felix Mendelssohn Bartholdy

Ouvertüre "Ein Sommernachtstraum"

Das Meisterwerk des siebzehnjährigen Felix Mendelssohn Bartholdy läßt auch das Publikum unserer Tage noch aufhorchen: Diejenigen, die Shakespeares Lustspiel noch nicht kennen, erahnen die geheimnisvolle Märchenwelt der Elfen, der tanzenden Rüpel und des verspielten Kobolds Puck. Wer dagegen bereits mit der Dichtung vertraut ist, wird erstaunt bemerken, wie feinsinnig der Komponist die Stimmung des Schauspiels in die Sprache der Töne übersetzt hat.


Ein Sommernachtstraum - Shakespeare - Mendelssohn: So dürften sich in der Regel die Gedanken aneinander reihen. Der Name des deutschen Komponisten war schon im 19. Jahrhundert untrennbar mit dem Bühnenstück des großen Engländers verbunden, es hat so etwas wie eine Symbiose beider Schöpfungen stattgefunden und das erscheint umso erstaunlicher, wenn man sich folgende Sachverhalte in Erinnerung ruft: Erstens: Shakespeare schrieb sein berühmtes Stück 1594, also 215 Jahre vor Mendelssohns Geburt. Zweitens: Mendelssohn entstammt dem deutschen Kulturkreis, der sich von dem englischen in vielen Aspekten unterscheidet. Drittens: Mendelssohn schrieb die Ouvertüre als Jugendlicher. Es stellt sich also die Frage: Was interessierte den jungen Mendelssohn an Shakespeares Sommernachtstraum?

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen in Deutschland die ersten "brauchbaren" Shakespeare-Übersetzungen von August Wilhelm von Schlegel heraus und wurden auch im Hause Mendelssohn eifrig gelesen. Nicht nur Felix, ebenso seine Geschwister begeisterten sich besonders für den "Sommernachtstraum". Auf keine andere Dichtung Shakespeares lassen sich die Ideale der Romantik in solch umfassendem Maße übertragen. Die Lebenselemente der romantischen Dichter - nämlich die Nacht und der Wald - finden sich ebenso wie die Vorliebe für märchenhafte Stoffe und historische Plätze. Hinzu kam das eigene Lebensgefühl der Geschwister, das Sebastian Hensel in seiner Chronik "Die Familie Mendelssohn" darzustellen versucht: Ein eigenes Geschick wollte, daß gerade in diesem Jahr 1826 sie selber in dem wunderschönen Garten, bei dem herrlichsten Wetter, auch ein traumartig phantastisches Leben führten. Das Gartenhaus bewohnte mit ihnen zusammen eine alte Dame nebst ihren schönen und liebenswürdigen Nichten und Enkelinnen. Mit diesen Mädchen waren Fanny und Rebekka eng befreundet, Felix mit seinen jungen Leuten schloß sich an, und die Sommermonate wurden zu einem ununterbrochenen Festtag voll Poesie, Musik, sinnreicher Spiele, geistvoller Neckereien, Verkleidungen und Aufführungen. [...] Dies ganze Leben hatte unverkennbar eine höhere, luftige Stimmung, eine idyllische Farbe, einen poetischen Schwung, wie man ihn selten im gemeinen Leben findet. Kunst und Natur, Geist, Witz und Herz, die aufstrebende Genialität Felixens, alles trug dazu bei, dem Treiben Färbung zu verleihen, das dann seinerseits wieder mitwirkte, die Knospen in Felixens Schaffen zur Entfaltung zu bringen. Es ging in ihm eine schnelle, durchgreifende Veränderung vor, und es folgten in raschem Fluge bedeutende Arbeiten, weit verschieden von den bisherigen Kinder-Kompositionen. Im folgenden kommt Hensel zunächst auf das Oktett und dann auf die Sommernachtstraum-Ouvertüre zu sprechen und macht noch einmal deutlich, wie inspirierend die eigenen Erlebnisse auf den jungen Mendelssohn bei der Komposition dieser frühen Meisterwerke gewirkt haben. Nur wenige Künstler hatten wie Mendelssohn das Glück, in einem reichen Elternhaus aufzuwachsen, umgeben von interessanten Persönlichkeiten, von denen ihn hochrangige Künstler und Gelehrte gefördert haben. Das Leben des jungen Mendelssohn war unbeschwert, heiter, eben glücklich und schon des öfteren haben andere Autoren darauf hingewiesen, wie gut dem älteren der Mendelssohn-Söhne der Vorname Felix (lat.: der Glückliche) stand. Man glaubt, diese Unbeschwertheit in seiner Musik hören zu können und besonders in der Sommernachtstraum-Ouvertüre scheint sich die "höhere, luftige Stimmung" zu spiegeln.

Der Eingang zum Gartenhaus - gezeichnet von Felix Mendelssohn Bartholdy
Der Eingang zum Gartenhaus - gezeichnet von Felix Mendelssohn Bartholdy

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