> > > Ouvertüre "Ein Sommernachtstraum"
Freitag, 4. Dezember 2020

Felix Mendelssohn Bartholdy

Ouvertüre "Ein Sommernachtstraum"


Mendelssohn gibt in seiner Ouvertüre keine Inhaltsangabe des Schauspiels - obwohl dies ein Orchesterwerk auch zu leisten vermag, wie uns Weber in seiner Freischütz-Ouvertüre gezeigt hat. Mendelssohn geht es vielmehr darum, die besondere Stimmung des Lustspiels wiederzugeben. Aus der ziemlich komplizierten Handlung - kompliziert wegen der vielen Verwirrungen - isolierte der Komponist zwei Personengruppen, nämlich die Elfen und die tanzenden Rüpel (gemeint sind die unkultivierten Handwerker). Beide Gruppen spielen in der Handlung nur eine untergeordnete Rolle, sie sind vielmehr Teil des Szenarios und leisten, jede auf ihre Weise, einen Beitrag zur besonderen Stimmung des Schauspiels. Die Elfen schwirren durch den Wald, aufgebracht durch den Streit ihres Herrscherpaares Oberon und Titania. Dieses Königspaar kannte Mendelssohn schon aus Goethes Faust, denn die Verse, die ihn zum Scherzo des Oktetts inspirierten, stammen aus der Szene Walpurgisnachtstraum, die Goethe mit dem Untertitel Oberons und Titanias goldne Hochzeit versehen hat - kein Wunder also, dass das Scherzo des Oktetts in seinem Charakter bereits die Elfenmusik der Sommernachtstraum-Ouvertüre vorausnimmt. Die andere Gruppe, die tanzenden Handwerker nämlich, bilden einen denkbar großen Kontrast zur geheimnisvollen, anmutigen Erscheinung der Elfen. Die Rüpel schwirren nicht, sie trampeln und dieser Gegensatz war bei der Konzeption der Ouvertüre von großer Bedeutung. Neben der märchenhaften, spukenden Stimmung der Elfenmusik übernahm der Komponist mit dem Rüpeltanz auch den Witz Shakespeares in seine Musik. Die Sommernachtstraum-Ouvertüre ist ein frühes Beispiel der Programmouvertüre, wie sie im 19. Jahrhundert zunehmend beliebt wurde. In der Romantik führte das Streben nach außermusikalischem Gehalt zur sogenannten Programmusik, der die absolute Musik gegenübersteht. Die traditionelle Gattung der Ouvertüre, die ja in ihrer Funktion als Schauspieleröffnung schon im 17. und 18. Jahrhundert programmatisch ausgerichtet war, wurde von den romantischen Komponisten bevorzugt und nun zunehmend als eigenständiges Orchesterwerk statt als Theater- oder Opernvorspiel komponiert. Da diese Ouvertüren nicht mehr für die Bühne, sondern für den Konzertsaal komponiert wurden, spricht man seit dem 19. Jahrhundert auch von Konzertouvertüren. Mendelssohn komponierte alle seine Ouvertüren für den Konzertsaal; dass man später die Sommernachtstraum-Ouvertüre zu den Theateraufführungen spielte, hat der Komponist sicher nicht erwartet.

Weiter...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12/2020) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2020) herunterladen (2399 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Sylvio Lazzari: Piano Trio op.13 in G minor - Introduction. Adagio misterioso - Allegro con fuoco

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich