> > > Sinfonie Nr. 9
Freitag, 19. Juli 2019

Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr. 9


Adagio Cantique -

Frommer Gesang in einer Sinfonie in alten Tonarten - Herr Gott dich loben wir - alleluja - entweder für sich allein oder als Einleitung in eine Fuge. Vielleicht auf diese Weise die ganze 2te Sinfonie charakterisiert, wo alsdann im letzten Stück oder schon im Adagio die Singstimmen eintreten. Die Orchester Violinen, etc. werden beim letzten Stück verzehnfacht. Oder das Adagio wird auf gewisse Weise im letzten Stück wiederholt wobei alsdenn erst die Singstimmen nach u. nach eintreten - im Adagio Text griechischer Mithos Cantique Eclesiastique - im Allegro Feier des Bachus.

Zwischen 1819 und 1822 ließ Beethoven die Arbeit an der Neunten liegen und widmete sich seinen letzten drei Klaviersonaten und vor allem der Missa Solemnis, seiner zweiten Vertonung des Messordinariums. Im April 1822 schrieb der Komponist seinem ehemaligen Schüler Ferdinand Ries nach London und erkundigte sich, was ihm die dortige Philharmonische Gesellschaft für eine Sinfonie zahlen würde. Beethoven hatte schon vor Jahren den Wunsch geäußert nach England zu reisen, ja sogar von Auswanderung hatte er gesprochen. Er hoffte, bei den Londoner Musikern, laut Beethoven "die ersten Künstler Europas", auf mehr Verständnis zu stoßen, gefragter zu sein und somit auch mehr Geld zu verdienen. Im November 1822 erhielt er ein Antwortschreiben, in dem eine neue Sinfonie gewünscht wurde. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete Beethoven, bis auf eine kurze Unterbrechung zugunsten der Diabelli-Variationen, kontinuierlich bis zu deren Fertigstellung im Frühjahr 1824 an der Neunten Sinfonie. Erst in dieser Phase intensiver Arbeit entschied sich Beethoven endgültig für das Chorfinale. Die notierten Ideen für das instrumental geplante Finale verwertete er später im letzten Satz des Streichquartetts op. 132. Zu einer Englandreise kam es nicht, Beethoven schickte im Dezember 1824 - also etwa ein halbes Jahr nach der Wiener Uraufführung - eine Abschrift der Partitur nach London. Der Erfolg der englischen Erstaufführung am 21. März 1825 ist mit dem in Wien nicht zu vergleichen. Der Wiener Triumph kam wohl nicht nur für Beethoven überraschend. Der Komponist fühlte sich in der Wiener Gesellschaft unverstanden und die Wiener ihrerseits glaubten: Beethoven hat sich ausgeschrieben, er vermag nichts mehr. Mit einer Anspielung auf Beethovens op. 108 schrieb ein Redakteur der Allgemeinen Musikalischen Zeitung: Beethoven beschäftigt sich, wie einst Vater Haydn, mit Motiven schottischer Lieder, für größere Arbeiten scheint er gänzlich abgestumpft zu sein. Der Komponist wendete sich von der Wiener Musikwelt ab und wollte die Neunte Sinfonie anderenorts uraufgeführt sehen. Berlin bot sich an und die Vorbereitungen waren schon im Gange, als Beethoven ein Bittschreiben erhielt, das von namhaften Wiener Persönlichkeiten unterzeichnet worden war. Man lobte den Künstler als den größten lebenden Meister seines Fachs und bat ihn, seine jüngsten Werke der (Wiener) Öffentlichkeit nicht vorzuenthalten. Beethoven ließ sich umstimmen und so kam es am 7. Mai 1824 im Kärntnertortheater zur Uraufführung der Neunten Sinfonie. Das Konzert sollte eigentlich schon im März stattfinden, doch bei den Vorbereitungen und Proben erwies sich Beethoven als schwieriger Verhandlungspartner: Auf eine Aufführung im Theater an der Wien konnte man sich nicht verständigen, weil Beethoven den dortigen Orchesterleiter ersetzen wollte und das Orchester dagegen protestierte. Auch die Verhandlungen mit dem Kärntnertortheater gestalteten sich aufgrund von Beethovens Unnachgiebigkeit sehr problematisch. Man stimmte in Fragen des Eintrittspreises, der Sängerbesetzung und der Probenanzahl nicht überein. Die Organisatoren Lichnowsky, Schuppanzigh und Schindler - alle drei langjährige Freunde Beethovens - versuchten den Komponisten zu einer Unterschrift zu drängen, worauf Beethoven völlig verstimmt reagierte. An jeden der drei Freunde schrieb er eine kurze Nachricht, in der er das Konzert (damals Akademie genannt) absagte. Hier die Nachricht an Schindler:

Notiz in Beethovens aberwitziger Handschrift
Ich ersuche Sie nicht mehr zu kommen, bis ich Sie rufen laße. (unten links:) Akademie hat nicht statt.

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