> > > Der Freischütz
Montag, 14. Oktober 2019

Carl Maria von Weber

Der Freischütz


Die Bezeichnung "Volksoper" hat, wenn man über den Freischütz spricht, doppelte Bedeutung: Weber schrieb seine Oper zunächst für das Volk, im besonderen natürlich für das deutsche Volk, aber der Freischütz ist auch eine Oper über das Volk, sie soll also nicht nur von der breiten Masse verstanden werden können, sondern stellt typische Volksszenen, wie im Chor der Landleute zu Beginn, auf der Opernbühne da. Man beachte, dass bei der Uraufführung das schlichte Volkslied da capo verlangt wurde und nicht eine der großen Arien. Das Volk sah sich repräsentiert und auch in Breslau, Dresden, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Königsberg, Prag oder Wien, wo es nicht mehr um die Rivalität zwischen Weber und Spontini ging, wurde der Freischütz begeistert aufgenommen. Den volksnahen Charakter der Oper versuchte Weber noch hervorzuheben, als er die ursprünglich ersten Szenen strich - sie enthalten die Begegnung zwischen Agathe, Ännchen und dem Eremiten - und damit seiner (späteren) Frau Caroline Brand recht gab. Nachdem sie das Textbuch gelesen hatte, riet sie dem Komponisten in einem Brief: "Weg mit diesen Szenen, mitten hinein ins Volksleben mit dem Beginne der Volksoper, lasse sie mit der Szene vor der Waldschenke anheben." Der Textdichter Friedrich Kind ließ sich nur ungern auf diese Änderung ein. Er bearbeitete den Freischützstoff auf Webers Wunsch 1817 und während Kind nach nur neun Tagen seine Arbeit beenden konnte, brauchte Weber drei Jahre für die Komposition des Werkes. Zwischen der ersten Begegnung mit der Freischützgeschichte und der Uraufführung liegen elf Jahre. Weber begeisterte sich schon 1810 für den Stoff, den er, von Johann August Apel erzählt, in der Märchensammlung Gespensterbuch gelesen hatte, hatte aber aufgrund anderer Verpflichtungen keine Zeit für die Arbeit an einer neuen Oper. Zusammen mit seinem Freund Alexander von Dusch überlegte Weber zunächst, wie man den Stoff für die Oper bearbeiten könnte. Es blieb bei einem Entwurf. Max Marie von Weber, Sohn und Biograph des Komponisten, hielt das für einen Glücksfall, "denn der Webersche "Freischütz" von 1810 wäre nimmermehr der von 1821 geworden." Während Weber nun die Idee einer Freischützoper ruhen ließ, interessierte man sich auch anderorts für die Geschichte aus dem Gespensterbuch: In Wien kam "Der Freyschütze" 1816 gleich zweimal auf die Bühne, in Augsburg erschien 1821 ein "Trauerspiel in fünf Aufzügen" über den Freischützstoff und bereits 1812 vertonte der Münchener Hofkomponist Carl Borromeus Neuner das Märchen nach einem Libretto des Hofrats Franz Xaver von Caspar. Die entscheidende Änderung, die Caspar am Original vornahm und die dann auch von Kind übernommen wurde, betrifft das Ende. Aus dem unbarmherzig harten, fast grausamen Schluß des Märchens machte der Münchener Hofrat ein Happy End. Die weibliche Hauptperson muß somit nicht sterben, die männliche wird nicht im Irrenhaus zugrunde gehen, sondern beide finden am Ende zueinander und werden glücklich. Um dem Zuschauer diese Entwicklung plausibel zu machen, war die Ergänzung einer weiteren Person, nämlich die des Eremiten, notwendig. Er ist es schließlich, der mit Gottes Hilfe die Mächte des Bösen bezwingt und mit weisen Worten um Gnade für Max bittet.

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