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Freitag, 14. Dezember 2018

Ludwig van Beethoven

Streichquartett op. 74

Das sogenannte "Harfenquartett" stammt aus Beethovens mittlerer Schaffensperiode und ist ein wenig beachtetes Meisterwerk. Zum einen ist Beethovens Kammermusik längst nicht so populär wie seine Sinfonien oder Konzerte und auch unter den 17 Streichquartetten des Meisters kommt diesem Quartett (zu Unrecht) eher eine Außenseiterrolle zu.


Den Namen Beethoven kennt nun wirklich jeder - aber wie sieht es mit seinem Werk aus? Berühmt sind in erster Linie die Klassikhits, das sind einzelne Werkfragmente, meist Melodien, die zu schnöder Popularmusik degradiert wurden. Hier wären der langsame Satz der Pathétique, der erste Satz der Mondscheinsonate, der Kopfsatz der Fünften oder ein Thema der Neunten Sinfonie ("Freude schöner Götterfunken") zu nennen. Selbst ein kleines Werk wie die Klavierbagatelle "Für Elise" wird noch vereinfacht und auf seine Melodie, ein Rondothema, reduziert. Zuweilen trifft man auch auf den Glauben, daß die berühmtesten Werke des Meisters auch seine besten seien. Warum nun die oben genannten Kompositionen so verbreitet sind, läßt sich nicht begründen, vielmehr scheint hier der Zufall im Spiel gewesen zu sein. Auf dem Musikmarkt läßt sich vieles nicht vorhersehen und anschließend ebenso wenig erklären. Betrachtet man aber nicht die Massenangebote des Marktes, sondern das Schaffen des Komponisten, so wird jeder Hörer zu einer eigenen Auswahl kommen. Beethoven war sehr selbstkritisch und zwischen Opus 1 und Opus 135 gibt es viele beeindruckende Werke, die man zum Teil noch immer als (dem Großteil der Hörer) unbekannt bezeichnen muß. Eines davon ist das Quartett op. 74, Beethovens zehntes Streichquartett. Wie allgemein in der Kammermusik so war auch für Beethoven das Streichquartett eine besondere Gattung, Musik, die nicht für alle Ohren bestimmt war, sondern in Kennern und Liebhabern ihre Adressaten fand. Das große Konzertpublikum des 19. Jahrhunderts kannte keine Kammermusik, denn im Gegensatz zu unserer Zeit, in der man Quartette auch in philharmonischen Sälen erleben kann, fand die Kammermusik damals in der fürstlichen Kammer statt - daher der Name. Große Orchester sind bis auf den heutigen Tag eine Attraktion für das Publikum und eine Redewendung wie "mit Pauken und Trompeten" spiegelt auf sprachlicher Ebene die musikalische Sensationsgier der breiten Hörerschaft. Das Wesen der Musik ist aber nicht laut und spektakulär, sondern leise, innig und äußert sich in seiner ureigensten Form im einfachen Gesang des Menschen. So halte ich zum Beispiel ein Streichquartett für "musikalischer" als ein Sinfonieorchester und denke, daß ein musikinteressierter Hörer in den Gattungen der Kammermusik eine besondere Erfüllung finden kann.

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