> > > Sinfonie Nr.5
Montag, 15. Juli 2019

Ludwig van Beethoven

Sinfonie Nr.5


Reichardt bedauert die "verfehlte Ausführung", das Orchester spielte also fehlerhaft und damals kam es nicht selten vor, daß ein Stück im Konzert abgebrochen und noch einmal begonnen wurde. Daß dies bei der Fülle des Programms und den unangenehm niedrigen Temperaturen mißfiel, ist nur allzu verständlich. Was für Beethoven in künstlerisch wie pekuniärer Hinsicht zum Mißerfolg wurde, ist musikgeschichtlich allerdings von großer Bedeutung, denn gleich drei seiner bekanntesten Werke erlebten in diesem Konzert ihre Uraufführung: dies waren neben der Fünften noch die Pastorale genannte Sechste Sinfonie - die Nummern wurden anfangs noch vertauscht - und das Vierte Klavierkonzert. Die Qualität der Kompositionen zeigte sich erst in weiteren Aufführungen und besonders die Fünfte fand als ein Hauptwerk Beethovens den Weg in die breite Öffentlichkeit. Die Popularität des ersten Satzes hat nicht unwesentlich zu dem Mißverständnis beigetragen, das man die sogenannte E-Musik und besonders Beethoven für (zu) ernst hält. Natürlich kann die klassische Musik viel ernster sein als die Unterhaltungsmusik und ist es zuweilen auch, aber sie ist darüber hinaus auch heiter, übermütig, unterhaltend, kurzweilig, tänzerisch, leidenschaftlich, ... Die Ausdruckspalette der Beethovenschen Musik ist wesentlich vielfältiger als gemeinhin angenommen wird.

Erste Partiturseite (Erstdruck von 1826)
Erste Partiturseite (Erstdruck von 1826)

Im Jahre 1808 war die Gattung der Sinfonie trotz der zahlreich vorangegangenen Kompositionen Haydns und Mozarts noch etwas Neues. Die sinfonische Form besaß noch ein enormes Entwicklungspotential, das sich erst im 20. Jahrhunderts erschöpfen sollte. Beethoven knüpfte mit seinen ersten beiden Sinfonien noch klar an Haydn an, ging dann aber mit seiner Dritten, ein Meilenstein in der Geschichte der Sinfonie, eigene Wege. Die große formale Anlage der Eroica weist bereits auf die Romantik voraus: Während die typisch klassische Sinfonie eine zeitliche Ausdehnung von 20 bis 30 Minuten erreicht, kommt die Eroica auf eine Aufführungsdauer von etwa 50 Minuten. Gerade einmal acht Jahre nach Haydns letzter Londoner Sinfonie erfuhr diese Gattung eine entscheidende Weiterentwicklung und dabei gewann das einzelne Werk an Bedeutung. Jede Sinfonie erhielt nun eine eigene Aussage, eine eigene Architektur und somit auch einen einzigartigen Charakter. Die Serienproduktion gehörte endgültig der Vergangenheit an. Im Laufe seines Lebens komponierte Beethoven neun Sinfonien, eine zehnte konnte er noch skizzieren aber nicht mehr vollenden. Diese neun Sinfonien sind eigenständige, individuelle Schöpfungen und von ihnen wurden neben der Fünften vor allem die Dritte, die Sechste, die Siebte und die Neunte berühmt. Im öffentlichen Konzertleben, das sich im Laufe des 19. Jahrhunderts erst im modernen Sinne herausbildete, gehörten die neun Sinfonien Beethovens international zum Grundstock des Repertoires. Alle späteren Sinfonien mußten sich mit diesen Werken messen lassen.

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