> > > Sinfonie Nr. 94 ('Paukenschlag')
Freitag, 22. November 2019

Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 94 ('Paukenschlag')


Der erste Satz der Paukenschlagsinfonie beginnt wie viele andere klassische Sinfonien mit einer langsamen Einleitung. Das Eingangsmotiv, das schon auf das Hauptthema des Satzes hindeutet, wird von den Holzbläsern intoniert, der Instrumentengruppe also, die in Haydns frühen Sinfonien nur zur Klangverstärkung Verwendung fand. Die Streicher dienen in erster Linie einer harmonischen Idee: Sie verschleiern die Grundtonart des Stückes. Erst nach 18 Takten, nun ändern sich auch Tempo und Taktart, wird die Harmonik klar und G-Dur wird als tonales Zentrum des Satzes erlebt. Die formale Anlage entspricht der klassischen Sonatensatzform. Beide Themen, besonders aber das zweite, haben aufgrund der Dreierrhythmen ausgesprochen tänzerischen Charakter. Die Durchführung konzentriert sich auf das erste Thema und zeigt typisch klassische Merkmale: Das Thema wird in seine Motive aufgespalten und gleichzeitig moduliert der Komponist in die unterschiedlichsten Tonarten. Erst zu Beginn der Reprise beschränkt sich die Harmonik im wesentlichen wieder auf die Akkorde der Grundtonart. Der zweite Satz besteht aus einer einfachen Melodie, die im Verlauf des Satzes auf unterschiedliche Weise variiert wird. Zunächst wird die Melodie, ein altes Volkslied, leise von den Geigen vorgetragen. Die ersten acht Takte werden wiederholt, wobei die Lautstärke deutlich zurückgenommen wird. Am Ende dieser Wiederholung überrascht den Zuhörer der berühmte Paukenschlag. Es handelt sich vielmehr um einen lauten Akkord, der zu den vorangegangenen Takten in einem starken Kontrast steht. Die Engländer gaben dieser Sinfonie den Beinamen "Surprise", der den Effekt dieses Akkordes deutlicher ausdrückt als der deutsche Titel "Sinfonie mit dem Paukenschlag". Nach dieser Überraschung setzt Haydn den Satz so fort wie er angefangen hat - als wäre nichts gewesen. Es heißt, Haydn habe sich in England über einige Konzertbesucher geärgert, weil sie des öfteren während der langsamen und ruhigen Sätze seiner Sinfonien eingeschlafen waren. Mit dieser Sinfonie habe er gerade diesen Leuten einen Streich spielen wollen, nutzte die ersten 15 Takte des langsamen Satzes um sie "in den Schlaf zu singen" und weckte sie dann mit dem Paukenschlag wieder auf. Dies soll bei der Uraufführung auch tatsächlich funktioniert haben. Haydn verwendete nur wenige Jahre nach der Vollendung der Paukenschlagsinfonie das gleiche Volkslied in seinem Oratorium "Die Jahreszeiten". In einer Arie heißt es vom Bauern: "... in langen Furchen schreitet er dem Pfluge flötend nach ...". An dieser Stelle zitiert Haydn noch einmal diese schlichte volksnahe Melodie.

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