> > > Sinfonie Nr. 41 ('Jupiter')
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 41 ('Jupiter')


In mehrsätzigen Werken gibt es meist einen Teil, der zum Erfolg eines Werkes in besonderem Maße beigetragen hat: In Beethovens 5. Sinfonie zum Beispiel ist es der erste Satz, in Haydns Paukenschlagsinfonie der zweite, in Chopins Klaviersonate b-moll ist es der dritte und hier, in der Jupitersinfonie, hat der vierte Satz die Nachwelt besonders beeindruckt. Dieser Satz verblüfft durch seine kontrapunktischen Konstruktionen. Die polyphone Schreibweise war zwar in der Zeit der Klassik noch gebräuchlich, aber sie war nicht mehr vorherrschend und in der breiten, musikinteressierten Öffentlichkeit auch gar nicht mehr gefragt. Sie galt als überholt. Mozart hatte den Kontrapunkt nicht nur in seiner Jugend studiert, sondern befaßte sich auch in seinem weiteren Leben damit. In Wien war er regelmäßig Gast bei Gottfried van Swieten, einem Diplomaten und Bewunderer der Barockmusik. Jeden Sonntag fand in dessen Hause eine Matinee statt, in der ausschließlich Bach und Händel gespielt wurden. 1782 traf Mozart erstmals mit van Swieten zusammen und begann, längst ein reifer Meister, noch einmal die barocken Fugen zu studieren. Für van Swieten bearbeitete Mozart Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier für Streicher und arrangierte Oratorien Händels, um sie in ihrer Instrumentation dem Zeitgeschmack anzupassen - heute eine undenkbare Praxis! Im Finale der Jupitersinfonie zeigt sich der Komponist nun als ein raffinierter und geistreicher Kontrapunktiker und gleichzeitig als klassischer Komponist. Van Swieten hatte Mozart vorgeschlagen, im Stile Händels zu komponieren, doch dies hatte Mozart natürlich nicht nötig. Schon in den ersten Takten des Satzes zeigt er seine Kombination von Alt und Neu: Er beginnt mit einem kurzen, aus vier Tönen bestehenden, Motiv, das bereits im Barock als historisierend gegolten hätte. Begleitet wird diese Tonfolge mit einer Figur, die ebenso klassisch ist wie das folgende zweite Motiv. Mozart baut das Finale - und das ist ungewöhnlich - nach der Sonatensatzform auf. Im Verlauf der Exposition stellt er fünf Motive vor, in der Durchführung werden aber nur die ersten beiden berücksichtigt und nachdem es schon Kombinationen einzelner Motive gegeben hatte, erklingen alle fünf in der Coda des Satzes gleichzeitig. Trotz dieser komplizierten Satztechnik hat diese Musik nichts künstliches, sondern wirkt natürlich, verspielt und ist eben von dieser trügerischen Leichtigkeit Mozarts. Das ist es, was die folgenden Generationen so erstaunt zur Kenntnis nahmen.

Weiter...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich