> > > Hohe Messe in h-moll
Sonntag, 20. Oktober 2019

Johann Sebastian Bach

Hohe Messe in h-moll


Das Gloria, in neun Sätze unterteilt, beginnt in strahlendem D-Dur und vor allem die Trompeten prägen das Klangbild (Hörbeispiel 4). Jeder Satz hat seine eigene Besetzung: Im "Laudamus te" konzertieren Solovioline und Sopran, im "Gratias agimus" verwendet Bach die ganze Besetzung, im "Domine Deus" steht eine Flöte dem Duett Sopran-Tenor gegenüber, das ausdrucksstarke "Qui tollis" singt der Chor mit Begleitung durch die Streicher und zwei Flöten und im "Qui sedes" wechseln Oboe und Alt in der Melodieführung. Ein besonderes Stück ist das "Quoniam", eine Baßarie, in der Bach ein Horn als Soloinstrument und außer der Baßgruppe nur zwei Fagotte zur Begleitung einsetzt (Hörbeispiel 5). In voller Besetzung endet das Gloria mit "Cum Sancto Spiritu".

Zu den beiden Sätzen der Missa brevis ergänzte Bach in den Jahren 1748 und 1749 die übrigen Teile des Ordinariums: Das älteste Stück ist das Sanctus, das der Thomaskantor für die Weihnachtsmesse 1724 komponiert hatte. Für die Sätze Osanna, Benedictus und Agnus Dei übernahm Bach die Musik älterer Werke, meist einzelne Sätze aus verschiedenen Kantaten, die er teilweise nur geringfügig überarbeitete, und tauschte den ursprünglichen Text gegen das Messordinarium aus. Das Credo, das Bach mit Symbolum Nicenum überschrieb, komponierte er zu großen Teilen neu, aber auch hier finden sich ältere Werke wie zum Beispiel ein Satz aus der Kantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zargen", der das "Crucifixus" der H-Moll-Messe bildet. Dieses Stück zeichnet sich durch ein chromatisch abwärts geführtes Baßmotiv aus, das sich stets nach vier Takten wiederholt. Diese Chromatik symbolisiert das Leiden Jesu am Kreuz (Hörbeispiel 6). Das Osanna geht auf die weltliche Kantate "Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen" aus den Dreißiger Jahren zurück, die ihrerseits wiederum eine Bearbeitung einer früheren Komposition ist. Auch die Komposition des Agnus Dei findet sich im wesentlichen bereits in einer Kantate, die Bach 1725 anläßlich einer Hochzeit schuf. Das klangvolle "Dona nobis pacem" bildet den Schlußsatz der Messe und knüpft an das "Gratias agimus" des Gloria an (Hörbeispiel 7). Die Praxis, alte Werke noch einmal in neuen Sammlungen zusammenzustellen, ist kennzeichnend für Bachs letzten Lebensabschnitt. Anscheinend wollte er sein Schaffen für die Nachwelt in repräsentativen Werken zusammenfassen, die er mit großer Sorgfalt anlegte. Darüber hinaus komponierte er Zyklen, die zwar keine älteren Stücke enthalten, aber dafür auf Formen zurückgreifen, die Bach sein Leben lang gepflegt hatte - allen voran die Fuge. Zu den bedeutendsten Werken, mit denen sich Bach in seinem letzten Lebensjahrzehnt beschäftigte zählen neben der H-Moll-Messe die Goldbergvariationen (1742), der Zweite Teil des Wohltemperierten Klaviers (1744), das Musikalische Opfer (1747) und - unvollendet hinterlassen - Die Kunst der Fuge (1750).

Das einzige authentische Bach-Portrait, 1746 von Elias Gottlob Haußmann gemalt
Das einzige authentische Bach-Portrait,
1746 von Elias Gottlob Haußmann gemalt

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