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Montag, 30. Januar 2023

Guillaume de Machaut

La Messe de Nostre Dame


Das Kyrie unterteilt sich in die drei Sätze Kyrie eleison, Christe eleison und Kyrie eleison, wobei jeder einzelne Satz wiederum dreimal gesungen wird. Die Zahl 3 hat, ausgehend von der Dreifaltigkeit Gottes, in der Christenheit schon immer eine große Bedeutung gehabt und spiegelt sich somit auch im liturgischen Ablauf der Messe wieder. Auf jeweils der letzten Silbe der Worte Kyrie und Christe werden ausgedehnte Melissmen, also mehrere Töne pro Silbe, gesungen, so daß die sinngerechte Fortsetzung eleison erst kurz vor Schluß des Abschnitts erscheint. Diese langen Melissmen befinden sich auch am Ende der Sätze Gloria und Credo auf dem Wort Amen, sowie in den letzten drei Sätzen Sanctus, Agnus Dei und Ite missa est. Ein wesentliches und für die Ars nova typisches Stilmerkmal in den Motettensätzen ist die sogenannte Isorhythmie. Zunächst glich man die Oberstimmen in ihrer Strukturierung dem vorgegebenen Tenor an, so daß es zu stets gleichen Periodenlängen kam. Diese Form der Gestaltung nannte man Isoperiodik (gr.: iso = gleich). Anschließend wurden sogar die Notenwerte innerhalb der einzelnen Perioden beibehalten und so entstand die isorhythmische Motette, die in ihrer Rationalität an Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts erinnert. Im Zuge der Entwicklung kam es zu einer Vielzahl von rhythmischen Variationen und so zeigt auch die Messe de Nostre Dame viele melodische Verzierungen, wobei jedoch das rhythmische Grundgerüst in jedem Abschnitt, auch talea genannt, gleich bleibt. Das folgende Notenbeispiel zeigt die Isorhythmie zu Beginn des Kyrie:

Notenbeispiel

Im Gloria und Credo verzichtet Machaut zu Gunsten des Textes auf kunstvolle kompositorische Konstruktionen und läßt die durch sparsame Melissmen verzierte Oberstimme (Triplum) deutlich hervortreten. Zwischen einzelnen Textabschnitten stehen einige untextierte Noten, die darauf schließen lassen, die Sänger wurden in den beiden tiefen Stimmen durch Instrumente gestützt. Die Architektur der Kathedrale zu Reims könnte diese These rechtfertigen, denn man wußte, daß sich die hohen Töne im Kirchenraum leichter orten ließen und da man einen umfassenden Raumklang anstrebte, wäre es naheliegend, die tiefen Töne zu stützen.

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