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Montag, 17. Juni 2019

Musik-Lexikon

Oratorium

im 16. Jahrhundert entstandene musikalische Form

abgeleitet von ital. "oratorio" = "Betsaal". An Orten des gemeinsamen Gebets fanden seit den Oratorianerandachten (ab 1575) liturgisch ungebundene Versammlungen statt, bei denen gebetet, vorgelesen und gesungen wurde. Im Barock bildete sich das Oratorium als geistlich-epischer Gegenentwurf zur weltlich-dramatischen Oper heraus. Der Einsatz eines herausgehobenen Gesangssolisten in der Rolle des biblischen Erzählers gegenüber kommentierendem Chor, reflektierenden Sängersolisten und Orchester steht in scharfem Kontrast zum operntypischen Ensemble handelnder Bühnensolisten; auf szenische Darstellung wird im Oratorium verzichtet. Über frühe Vertreter (Carissimi, Pergolesi) erreichte das Oratorium als Kirchenmusikgattung bei J. S. Bach ("Weihnachtsoratorium") und Händel ("Der Messias") vorläufige Höhepunkte seiner Entwicklung, bevor es weltliche Züge annahm (Haydn, "Die Jahreszeiten"). Im 19. Jahrhundert mit gewichtigen Beiträgen wieder stärker an seine geistlichen Ursprünge angenähert (Mendelssohn, Franck), entwickelte sich das Oratorium im 20. Jahrhundert zur formal und inhaltlich kaum greifbar umgrenzter Weltanschauungsmusik, die je nach religiöser Haltung des Komponisten entweder alttestamentarisch opernangenähert (Honegger), oder philosophisch betrachtend (Hindemith, Martin), teilweise auch propagandistisch (sowjetisches Musikepos) ausgerichtet ist.


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