> > > > > 24.02.2019
Montag, 22. April 2019

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Adam Fischer, Copyright: Wiener Philharmoniker

Adam Fischer, © Wiener Philharmoniker

6. Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker

Heimspiel für Haydn und Mozart

Ganz im Zeichen der Wiener Klassik stand am vergangenen Wochenende das sechste Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker im Großen Musikvereinssaal. Wie schon tags zuvor am Sonntagvormittag am Pult: Ádám Fischer, der sich schon in Joseph Haydns eingangs auf dem Programm stehender C-Dur-Symphonie Hob.I:97 – der sechsten der 12 sogenannten ‚Londoner Symphonien‘ – als nicht zufällig einer der Spezialisten fürs klassische Repertoire ausweist. Mit all der Routine seiner Gesamteinspielung von Haydns komplettem symphonischen Œuvre verleiht er der Introduktion des Kopfsatzes feierlich strahlendes Gewicht, der 'Vivace'-Abschnitt besitzt vornehme Eleganz, das 'Adagio ma non troppo' verbreitet kantable Wärme. Das Finale versprüht typisch Haydn‘schen, musikalisch hintersinnigen Charme.

Ideale Ansprache

 

Prominenter Solist in Mozarts Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219 ist anschließend Leonidas Kavakos, dem im 'Allegro aperto' allerdings die eine oder andere Unsicherheit in der Tongebung unterläuft. Gefühlter Star ist hier wiederum eher das Orchester, das einen herrlich ästhetischen, luftig rauschenden Mozart-Ton trifft. Das Tempo des Mittelsatzes wählt Kavakos verhältnismäßig rasch, die eine oder andere Atempause mehr zwischen den Phrasen täte hier und da gut. Am besten gelingt ihm der Schlusssatz, in dem er mit quirliger Spielfreude und dezidierterer Artikulation als zuvor glänzt, im ‚alla turca‘-artigen a-Moll-Abschnitt setzt er erfrischende Akzente. An der herausragenden Rolle des Orchesters ändert sich dabei auch weiterhin nichts. Auf samtweiche Klangwolken gebettet schwebt der Solopart im 'Adagio', im Finale finden die Philharmoniker unter Fischer eine mit der Geigenstimme ideal dialogisierende, mit natürlicher Lebendigkeit fließende Ansprache zwischen dezent begleitender und eigenständig gestaltender Rolle. Mit Bachs 'Gavotte en Rondeau' aus der Partita Nr. 3 brilliert Kavakos als Zugabe.

 

Sublime Durchleuchtung

Nach der Pause gibt es Mozarts 'Jupiter-Symphonie' KV 551. Stilsicher durchdringt der Klangkörper auch hier die Partitur bis ins Detail und legt von den prägnanten Akkordschlägen des ersten Satzes an deren Architektur sinnfällig offen. Mit packender Intensität behandeln die Wiener im düsteren c-Moll-Mittelteil die fast schon rätselhaften harmonischen Reibungspunkte des 'Andante cantabile' und entwerfen eine direkt ansprechende musikalische Dramaturgie. Klangliche Noblesse besitzt das Menuett, die große Schlussfuge wird stimmlich sublim durchleuchtet. So klischeehaft es in diesem Kontext klingen mag – tatsächlich präsentieren sich die Wiener Philharmoniker an der Wiege des einstigen Epizentrums dieser Epoche als deren prädestinierte Verwalter. Ihre Legitimation dafür ziehen sie aus einem exquisit schlanken, schwerelos aufgefächerten, gleichzeitig emotional ergreifenden Mozartklang. Unweigerlich wünscht man sich am Ende spontan, auf diesem Niveau nahtlos den Rest von Mozarts abschließender symphonischer Trias in Gestalt von KV 543 und 550 zu hören.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Wiener Philharmoniker: 6. Abonnement-Konzert

Ort: Musikverein,

Werke von: Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Adam Fischer (Dirigent), Wiener Philharmoniker (Orchester), Leonidas Kavakos (Solist Instr.)

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