> > > > > 13.01.2019
Freitag, 26. April 2019

1 / 6 >

Ensemble, Copyright: Monika Rittershaus

Ensemble, © Monika Rittershaus

'Violetter Schnee' von Beat Furrer

Auflösung von Raum und Zeit

Was bleibt, wenn Raum und Zeit sich auflösen? Mit der Uraufführung einer spektakulären Auftragskomposition startet die Berliner Staatsoper Unter den Linden in das Jahr 2019. 'Violetter Schnee' ist Beat Furrers achtes Opernwerk und thematisiert – auf der Grundlage der Sorokin-Erzählung 'Der Schneesturm' und des 6. Buches des Lehrgedichts 'De rerum natura' des römischen Dichters Lukrez – apokalyptische Grenzerfahrungen.

Ein nicht enden wollendes Schneetreiben zwingt die Gesangssolisten Silvia (Anna Prohaska), Natascha (Else Dreisig), Jan (Gyula Orendt), Peter (Georg Nigl) und Jacques (Otto Katzameier), eingeschlossen im Haus zu verharren. Bevor jedoch die gesanglich virtuose, fantastische Irrfahrt aus Träumen, Erinnerungen, Ängsten, Euphorie und Vereinsamung beginnt, wandert man stammelnd, mit den Augen der Schauspielerin Tanja (Martina Gedeck) über das Gemälde 'Jäger im Schnee' von Pieter Bruegel dem Älteren. Winterliche Kälte dominiert das Bild. Die Ausbeute der heimkehrenden Jäger ist verschwindend gering.

Händl Klaus, der die Textvorlage gedichtet hat, lässt Sprache in wiederholte Wörter und Motive auseinanderfallen. Auch Furrers ausdrucksstarke orchestrale Klanglandschaften zerfallen in farblich wechselnde, wiederholte, blubbernde, an Sirenen erinnernde Motive, an auf und abwärts geführte Glissandi und Leiterfiguren. Von dissonanter Grundspannung getragene, farblich schillernde Flächen aus bewegten, statischen rhythmischen Linien entstehen, die sich verdichten, auflösen, durchdringen und überlagern – ein eindrückliches musikalisches Erlebnis, das die Staatskapelle Berlin und das Vocalconsort Berlin unter der Leitung von Matthias Pintscher transparent und dynamisch vor Augen führen.

Claus Gluth (Inszenierung), Etienne Plus (Bühnenbild), Ursula Kudrna (Kostüme) und Arian Andiel (Video) greifen diese Entwicklung auf. Szenen des Bruegel-Gemäldes und der Sorokin-Erzählung verschmilzen auf der Bühne. Raum und Zeit scheinen sich in abstrakte Formen, die Stimmen im ‚Chor der Verlorenen‘ aufzulösen – bis die Musik abrupt aussetzt und das Publikum mit einem großen Fragezeichen zurücklässt.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Ursula Decker-Bönniger

Kontakt aufnehmen mit dem Autor

Kontakt zur Redaktion


Violetter Schnee: Oper von Beat Furrer

Ort: Deutsche Staatsoper,

Werke von: Beat Furrer

Mitwirkende: Vocalconsort Berlin (Chor), Matthias Pintscher (Dirigent), Staatskapelle Berlin (Orchester)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (4/2019) herunterladen (1559 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich