> > > > > 30.05.2018
Dienstag, 21. Mai 2019

Yuja Wang im Wiener Musikverein

Ansteckende Spielfreude

Laut eigener Aussage pflegt Yuja Wang eine besondere Affinität zum russischen Repertoire. Jede Menge davon hatte sie gestern bei ihrem Rezital im Großen Saal des Wiener Musikvereins auf ihr Programm gesetzt, der erste Block gehörte – in kurzfristig abgeänderter Vortragsfolge – schwerpunktmäßig Sergej Rachmaninov. Lediglich eingangs benötigt sie ein wenig Anlaufzeit, um sich am Flügel zu akklimatisieren. Im einleitenden g-Moll-Prélude op. 23 Nr. 5 nimmt sie das Tempo des ersten Teils etwas zu rasch, um gestalterisch bis ins Detail mit ihrer eigenen Geschwindigkeit mithalten zu können. Konturen verschwimmen hier zu sehr, nicht alle Akkorde trifft sie exakt. Auch die klangliche Abstimmung auf den mit Publikum gefüllten Saal dauert hörbar ein wenig, schon ab den folgenden beiden c-Moll-Études-tableaux op. 39 Nr. 1 und op. 33 Nr. 3 und 2 wird ihr Ton deutlich nuancenreicher: Mit feinen Schattierungen bis in Pianissimo-Sphären spannt sie spannungsgeladene melodische Bögen. Auch die weiteren Stücke dieser Gattung (op. 39 Nr. 4 und 5, op. 33 Nr. 6) gestaltet sie mit viel Empfindsamkeit aus, im wiederum oft zu hörenden b-Moll-Prélude op. 32 Nr. 10 stellt sie gegenüber dem etwas nervösen Beginn vollends klar, dass sie präzise Konturen zu formen und fein perlende Akkord-Kaskaden zu erzeugen in der Lage ist. Wangs Anschlag besitzt bis in tiefe Basslinien Fülle und Wärme. Selbst einzeln schwebenden Tönen wie in den Anfangstakten von Skrjabins folgender Sonate Nr. 10 op. 70 verleiht sie ausdrucksstarkes Gewicht, überzeugend arbeitet sie die eigenwillige, kontrastreiche Architektur zwischen voluminöser Vollgriffigkeit, harmonischen Spannungen und melancholischer Stille heraus.

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Kritik von Thomas Gehrig

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Yuja Wang: Zyklus Große Solisten

Ort: Musikverein,

Mitwirkende: Yuja Wang (Solist Instr.)

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