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Sonntag, 21. Juli 2019

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Heinz Göhrig (Spoletta), Arnold Rutkowski (Mario Cavaradossi), Svetlana Aksenova (Floria Tosca), Alb, Copyright: Martin Sigmund

Heinz Göhrig (Spoletta), Arnold Rutkowski (Mario Cavaradossi), Svetlana Aksenova (Floria Tosca), Alb, © Martin Sigmund

'Tosca' in Stuttgart

Emotional und glaubwürdig

Bereits 1998 hatte die laufende Stuttgarter 'Tosca'-Produktion Premiere, die mittlerweile 109. Vorstellung ging nun im Großen Haus des Staatstheaters über die Bühne.

Geprägt ist die Inszenierung von anschaulich platzierten, in sich stimmigen Bildern. Von den Protagonisten über den Klerus bis hin zum Militär sind die Personen zeitgemäß in Kostümen der napoleonischen Ära gekleidet. Viel Ausstattung benötigt die Arbeit von Regisseur Willy Decker generell nicht: Zentrale Accessoires sind zu Beginn eine – sich gleichsam als roter Faden durch das gesamte Stück ziehende – riesige Leinwand mit dem Porträt der Gräfin Attavanti sowie im Innern der Kirche eine gewaltige Madonnen-Statue, im zweiten Akt eine langgezogene Tafel mit darum herum gruppierten Stühlen. Im dritten Aufzug kommt die Szenerie gar lediglich mit einem im hinteren Bühnenbereich befindlichen großen Fenster aus, durch das klug und wirkungsvoll allein mit Licht, Schatten und Farbgebung gearbeitet wird.

Statisch wirkt das Ambiente dennoch zu keiner Zeit - dem Regiekonzept gelingt es dank effizienter Personenführung, den Fokus stets ganz auf die handelnden Charaktere und deren Aktionen zu lenken. Die Geschichte wird lebendig und in sinnfällig aufgebauten Spannungsbögen erzählt, auf rätselhafte Symbolik oder vom Kerngeschehen abschweifenden Schnickschnack verzichtet die Deutung völlig.

Sensible Interaktion

Auch die Akteure überzeugen durchweg: An vorderster Front Svetlana Aksenova in der Titelpartie mit schlanker, in allen Lagen beweglicher und bis in die Spitzentöne tonsicherer Stimme. Arnold Rutkowski gibt einen Cavaradossi mit schönem warmem Tenor-Timbre und Albert Dohmen glänzt als Scarpia mit düster eingefärbtem, kraftvollem Bariton. Ashley David Prewetts Bass bleibt als Angelotti bis in die tiefen Regionen voluminös und ausdrucksstark. Sämtlichen Darstellern kauft man ihre Rollen auch schauspielerisch ohne Weiteres ab. Ob den quirlig-temperamentvollen Auftritt Cavaradossis, die nervöse, gehetzte Anspannung des chronisch verfolgten Angelotti oder die finstere Attitüde des Polizeichefs – alle Figuren agieren glaubwürdig und wirken authentisch emotional involviert.

Getragen werden die Stimmen von einem dynamisch wie agogisch wandelbaren, sensibel interagierenden Orchester. Unter der musikalischen Leitung von Domingo Hindoyan erweist es sich als klanglich gut ausbalanciert und bedient stilsicher die vielfältigen Facetten der Partitur von dezenter Begleitung in lyrischen Passagen als Fundament für zerbrechliche Kantilenen bis hin zu sich funkensprühend entladenden dramaturgischen Klang-Explosionen. Eindrucksvoll beweist das Stuttgarter Ensemble auch, weshalb ihm erst jüngst das Prädikat ‚Chor des Jahres 2017‘ verliehen wurde.

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Kritik von Thomas Gehrig

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