> > > > > 26.02.2017
Dienstag, 18. Juni 2019

Mahlers Zweite Sinfonie in der Elbphilharmonie

Ohne Dach

Hört man die üppig besetzten spätromantischen Sinfonien à la Gustav Mahler in einem Konzerthaus des 19. Jahrhunderts oder einem moderneren Saal nach Bauart dieser Zeit, entsteht klanglich oft ein klaustrophobischer Eindruck. Als würde man von den musikalischen Massen bedrängt, die nach akustischem Raum brüllen, als würden sie wortwörtlich das Dach wegsprengen wollen. Wer den großen Saal der Elbphilharmonie erst zum expansiven Chorfinale dieser ‚Auferstehungs-Sinfonie‘ betreten hätte, dem hätte sich ein merkwürdiges Bild geboten: die Gesangssolistinnen Gerhild Romberger und Annette Dasch hinter dem NDR Elbphilharmonieorchester leicht erhöht im Schlagwerk stehend. Der NDR Chor und der WDR Rundfunkchor darüber, also eine Etage höher, hinter dem Publikum in einer einzigen sehr langen Reihe aufgestellt, quasi wie eine Perlenkette um das Orchester herum (!). Was zunächst nach einer ziemlich fragwürdigen Idee klingt, erwies sich jedoch dank der Akustik der Elbphilharmonie als brillant. Zumindest für Zuhörer, die leicht erhöht vor dem Orchester saßen, gingen Chor, Orchester und Solisten eine ideale Farbmischung ein. Der Chor ertönte von oben wie aus dem Himmel herab (das Fernorchester dagegen tatsächlich von ganz oben aus der 15. Etage, eben wie aus der Ferne) und hob das ‚irdische‘ Orchester quasi mit empor. Überhaupt ertönten die Tutti-Aufschreie im dritten Satz und im Finale mit solcher Klarheit, dass Mahlers herausragender Ruf als Instrumentator und Stilist schockartig offenkundig wurde. Offensichtlich wurde, dass die Elbphilharmonie gerade bei solchen Monumentalwerken wie Mahlers Zweiter ihre Stärken voll ausspielt. Von klanglicher Enge kann nicht einmal ansatzweise die Rede sein, alles hört und fühlt sich frei an, entfaltet sich in alle Richtungen. Vielleicht besteht das Visionäre der Sinfonik Mahlers auch darin, zu Lebzeiten gegen die akustischen Bedingungen der Realität verstoßen zu haben. Erst in einem Konzertsaal des 21. Jahrhunderts trifft ein Werk wie die ‚Auferstehungs-Sinfonie‘, das 1896 fertiggestellt wurde, auf Idealbedinungen.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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NDR Elbphilharmonie Orchester: Lux aeterna

Ort: Elbphilharmonie,

Werke von: Gustav Mahler

Mitwirkende: WDR Rundfunkchor Köln (Chor), NDR Chor (Chor), Thomas Hengelbrock (Dirigent), NDR Elbphilharmonie Orchester (Orchester), Annette Dasch (Solist Gesang), Gerhild Romberger (Solist Gesang)

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