> > > > > 14.09.2011
Sonntag, 25. August 2019

'Rigoletto' am Opernhaus Zürich

Starreiche Repertoireaufführung

Mit Nello Santi feiert am 22. September ein Dirigent seinen 80. Geburtstag, der wie kein anderer dem Opernhaus Zürich verbunden ist: Seit nunmehr 53 Jahren steht er regelmäßig bei italienischen Werken im Orchestergraben. Er repräsentiert einen Typus von Operndirigent, der mit seiner profunden Werkkenntnis im Alltagsrepertoire heute zur Ausnahme geworden ist. Die besuchte Vorstellung wollte aber erst ab dem zweiten Akt so richtig auf Touren kommen. Santis behäbige Tempi schienen vorerst zu irritieren, wobei der Maestro deutlich machte, dass diese nicht zur Verhandlung stehen. Ab dem zweiten pendelte sich die Balance zwischen dem differenziert spielenden Orchester und der Bühne ein, und man konnte erleben, was eine gekonnte Interpretation ausmacht: So wechselt Santi effektvoll die Tempi, ohne dabei die große Linie zu zerschlagen und gibt der Musik mit rhythischen Akzenten zusätzliche Würze.

Leo Nucci identifiziert man seit über drei Jahrzehnten mit der Titelrolle, und auch heute im mittlerweile 70. Lebensjahr (!) kann er den Anforderungen der Partie voll entsprechen. Sicherlich ist sein Bariton etwas glanzloser und ungelenkiger geworden, doch treten diese Abnützungserscheinungen angesichts der imposanten Höhe in Verbindung mit der emotionalen Gestaltung in den Hintergrund. Wie Leo Nucci war auch Piotr Beczala bereits vor zehn Jahren bei der Premiere von Gilbert Deflos Inszenierung dabei. Sein Duca di Mantova dürfte heute konkurrenzlos sein. Beczala singt die Partie mit langen Legatobögen, kultivierter Phrasierung und weitgehend müheloser Höhe. Diana Damrau präsentiert sich dem Züricher Publikum mit der Gilda nach ihrem Hausdebüt in Form eines Liederabends (Siehe Link am Ende der Besprechung) nun erstmals in einer Opernrolle. Die Gilda zählt ansich zu Damraus Paraderollen, an diesem Abend schien die Sopranistin jedoch nicht optimal disponiert gewesen zu sein. Die breiter gewordene Mittellage wirkte ungewohnt spröde, das obere Register unüberhörbar angestrengt. In den kleineren Partien überzeugte vor allem Pavel Daniluk mit seinem schwarzen Bass als Sparafucile, während Katharina Peetz mit ihrem flachen Mezzo einen unbefriedigenden Eindruck hinterließ.

Gilbert Deflos' praktikable Inszenierung beginnt in renaissancehaftem Ambiente. Nach dem ersten Bild wird allerdings rasch deutlich, dass es sich hier lediglich um ein Maskenfest mit historischen Kostümen handelt; die eigentliche Handlung ist im ausgehenden 19. Jahrhundert (Ausstattung: William Orlandi) angesiedelt. So bekommt man im dritten Akt anstelle der Spelunke Sparafuciles eine Stahlbrücke zu sehen, neben der dieser seinen dunklen Geschäften nach geht. Die Verlegung der Geschichte geschieht jedoch unaufdringlich und lässt den Sängern die Möglichkeit zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit.

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Kritik von Dr. Rainhard Wiesinger

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Verdi: Rigoletto: Opernhaus Zürich

Ort: Opernhaus,

Werke von: Giuseppe Verdi

Mitwirkende: William Orlandi (Bühnenbild), Nello Santi (Dirigent), Gilbert Deflo (Regie), Katharina Peetz (Solist Gesang), Pavel Daniluk (Solist Gesang), Diana Damrau (Solist Gesang), Piotr Beczala (Solist Gesang), Leo Nucci (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Opernhaus Zürich

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