> > > > > 10.05.2007
Mittwoch, 26. Juni 2019

Jansons' Mahler-Premiere mit den Berlinern

Ein heldenhafter Auftritt

Spannung in der Berliner Philharmonie: Mariss Jansons, der Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, leitet die Berliner Philharmoniker mit einer Symphonie von Gustav Mahler - zum ersten Mal in der Geschichte seiner Zusammenarbeit mit diesem Orchester.

Doch zuerst steht Igor Strawinskys Ballettmusik Petruschka auf dem Programm. Hierfür betritt Jansons so spät das Podium, dass der erste Spaßvogel im Publikum schon fordernd zu applaudieren beginnt. Doch getreu dem Motto "Die spätesten Gäste sind die liebsten" entwirft Jansons, der das Orchester seit 36 Jahren kennt, schon in den ersten Takten der Jahrmarktsszene ein rhythmisch so präzises Szenario, wie es Strawinsky selbst mit dem Columbia Symphony Orchestra im Jahr 1960 nicht zustande brachte. Das Orchester zeigt sich als perfekt aufeinander eingespielter Klangkörper, der mit der differenzierten Rhythmik Strawinskys spielend fertig wird und dabei noch Zeit findet für interpretatorische Feinheiten wie im Flötensolo der ersten Szene. Hier lässt Jansons seine Arme sinken und die Flöte schafft geradezu räumliche Effekte, indem sie innerhalb kürzester Zeit mal wie von nah, mal ganz fern klingt. Die zweite Szene in Petruschkas Kammer gestaltet Jansons in einem sehr warmen Klang, der voll von Mitleid und Klage ist für die unglückliche Puppe und in deutlichem Kontrast zur dritten Szene steht, in der Petruschkas Rivale um die schöne Ballerina, der Mohr, dargestellt wird. Immer wieder bricht hier das Blech in einem gebrochenen, höhnischen und geradezu gemeinen Duktus herein in die nur scheinbare Idylle der Holzmarionetten. Jansons drängt die Philharmoniker zu  immer größerer  Deutlichkeit und  Theatralik, indem er selbst mit seiner Körperhaltung und seiner Mimik, nicht mit seinen Händen, darstellt, wie gespielt werden soll. Nur der Taktschlag ist immer präsent  bis zum Schluss, als in geisterhafter Atmosphäre Petruschkas Geist auftauchen soll, selbst hier noch geprägt von seinem früheren warmen Klang, der diese letzte Erscheinung weniger angsteinflößend als mitleiderregend macht. Wahrscheinlich ist diese Interpretation auch Jansons' Grund dafür, nicht den von Strawinsky für konzertante Aufführungen vorgesehenen Schluss im aufwühlenden Fortissmimozu wählen, sondern den Ballettschluss, der mit einem leisen Pizzicato der tiefen Streicher endet - ein Pizzicato übrigens wie EIN Mann.

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Kritik von Annika Forkert



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Strawinsky, Petruschka, Mahler, Symphonie Nr. 1:

Ort: Philharmonie,

Werke von: Gustav Mahler, Igor Strawinsky

Mitwirkende: Mariss Jansons (Dirigent), Berliner Philharmoniker (Orchester)

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