> > > > > 28.02.2007
Dienstag, 18. Juni 2019

Grigorij Sokolov spielt Schubert und Skrjabin

Insekten im Flügel

Es gibt sie also doch noch, die Pianistenpersönlichkeiten nicht-chinesischer Herkunft, denen es in Berlin gelingt, große Säle zu füllen. Solches vollbrachte Grigorij Sokolov dieser Tage mit einem Programm, das den Gelegenheitsliebhaber klassischer Klaviermusik nicht zwingend hinter dem warmen Ofen vorlocken würde. Doch die Schlangen an den Kassen waren schier endlos, mit erheblicher Verspätung setzte sich der Russe an den Flügel und begann mit Schuberts später c-Moll Sonate D 958, einem zutiefst dramatisch-intensiven Werk, dessen praktische Umsetzung nur zu leicht von ‚bedeutungsgeladen’ zu ‚banal’ abkippen kann. Sokolovs Deutung hatte beides: Intensiv fesselnde Momente und plakativ Belangloses. So gelangen ihm vor allem die ersten beiden Sätze ausgesprochen farbintensiv, erzeugte er mit seiner ungeheuer naritativen, der Schubertschen Liedtradition verpflichteten Lesart große Spannung. Faszinierend mit welch Plastizität Sokolov Stimmverschiebungen zwischen beiden Händen realisierte und dabei artikulatorisch wie dynamisch ungemein flexibel agierte. Umso betrüblicher, dass ihm das kurze Menuetto und vor allem das abschließende, großangelegt Allegro so uninteressant und spannungsarm gerieten. Wenig war zu spüren von der ungeheuren Innenspannung des Schlusssatzes, die aus dessen intensiver Rhythmik und der hoch komplexen Harmonik resultiert. Sokolov setze hier auf eher oberflächliche Effekte, ließ in der linken Hand allzu oft den pulsierenden Grundrhythmus zu nebensächlich erscheinen, wählte ein auf Sicherheit bedachtes Tempo und nahm dem Satz so viel seiner teilweise verängstigenden Intensität. Wer Andreas Staier oder Mitsuko Uchida mit dem gleichen Werk einmal gehört hat, wird dies leicht nachvollziehen können.  

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Kritik von Frank Bayer



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Grigorij Sokolov - Klavierrecital: Werke von Schubert und Skrjabin

Ort: Philharmonie,

Werke von: Alexander Skrjabin, Franz Schubert

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