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Samstag, 22. Januar 2022

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

“Das Rheingold

Luisi tut dem Wagner gut

Die Dresdner Goldschmiede befindet sich im Orchestergraben. Das edle Material ist in verschwenderischer Fülle vorhanden. In der Musik zum Vorabend des Bühnefestspiels für drei Tage haben wir alle Schattierungen, Leuchtstärken und gleißenden Gefahren dieses mythischen Metalls, das in seiner materiellen Art kaum je Menschen glücklich gemacht hat. Das Gegenteil ist Fall. In seiner ästhetischen Variante hingegen, als Klangereignis, vermag dieses Edelmaterial sehr wohl glücklich zu machen, so geschehen in der jüngsten Aufführung „Das Rheingold“ in der Dresdner Semperoper mit der Staatskapelle unter der Leitung ihres zukünftigen Generalmusikdirektors Fabio Luisi.


Der Goldschmied muss handwerkliche Fertigkeit und künstlerische Sensibilität in ausgewogenem Maße verbinden können, zudem seine Ideen bei der vorsichtigen Formung des empfindlichen Materials übertragen können, um am Ende zu jenem Eindruck eines Gesamtkunstwerkes zu gelangen, in dem sich Anspruch und Gegebenheit aufs Beste fügen. Aufs Beste fügte Fabio Luisi Wagners Klangschöpfung, ließ aus dem berühmten aufkeimenden und aufsteigenden Orchestervorspiel unaufhaltsame Spannung werden. Luisi kann hier auf eine Art des Musizierens vertrauen, die immer im spielenden, spiegelnden und glitzernden Fluss bleibt, in der die Bedrohlichkeiten der gut disponierten Bleckbläsergruppe ob ihrer Feinheit von besonders verführerischer Gefahr sind und selbst im großen Donnern und Verfinstern des Vorspiels der Unglückskomödie mit voller Orchesterkraft gehen Plastizität und Durchhörbarkeit nicht verloren. Mitunter schlich sich so etwas wie Eile ein, oder wollte der Maestro den Sängern entgegenkommen, denen öfter mal die Puste ausging.


Willy Deckers augenfreundliche Ästhetik auf Wolfgang Gussmanns Welterschöpfungstheater in wogender Fortsetzung der Sitzreihen des Semperopernparketts, mit angemessenen Hinweisen auf historische, politische, biografische Hintergründe und Wirkungen dieser göttlichen Komödie aus der reinsten musikalischen Klarheit unbefleckter Empfängnis, die unaufhaltsam in Schuld und Verstrickung ihrer Protagonisten führt, ist auch fast genau fünf Jahre nach ihrer Premiere noch sehr wirkungsvoll und berührend.


Sehr gemischte Eindrücke hinterlässt das Ensemble der Sängerinnen und Sänger dieser Aufführung. Die Rheintöchter Agnete Munk Rasmussen, Antigone Papoulkas und Annette Jahns können beweglich agieren aber weder mit Leichtigkeit, schon gar nicht mit Bezauberung oder Charme des Gesanges zu Beginn, noch mit zerreißenden Klagen im Finale, überzeugen. Ute Selbig ist als Freia dabei und schön anzusehen. Sehr schön anzuhören sind Christa Mayer und Mihoko Fujimura als Erda und Freia. Mayer gibt der Allwissenden erdige Urtöne und lässt uns vor allem auch verstehen, was sie so alles weiß und wie alles werden wird. Fortsetzung im Siegfried, am Sonntag.
Klar, dabei fest und energisch, singt Mihoko Fujimura die Göttergattin Fricka. Sie muss nicht keifen, sondern kann betören, so sehr, dass der eigentlich lieber wandernde Gemahl sogar ein  Haus baut, häuslich wird er zu ihrem Leidwesen nicht.


Schwach in der Erscheinung, schwächer im Gesang, Jukka Rasilainen als Wotan. Von kräftiger Erscheinung ist Martin Homrich als Froh, zu vernehmen ist von ihm nicht sehr viel. Freundlich donnert Matthias Henneberg, komödiantisch im Spiel und bisweilen komisch im Gesang sind Wolfgang Müller-Lorenz als Loge und Franz-Josef Kapellmann als Alberich, die aber sehr für Spannung und Interesse sorgen. Wolfgang Schmidt als Mime gibt einen Vorgeschmack auf seinen großen Auftritt im „Siegfried“. Mächtige Märchenriesen von trauriger Gestalt sind Johann Tilli und Michael Eder. Die gute Fee im Kasten an diesem Abend ist vernehmbar Gabriele Auenmüller als Souffleuse.

Am Ende des kurzweiligen Vorabends, überm strahlenden Lichtbogen der Staatskapelle, auf nach Walhall. Zunächst aber erotisches Zwischenspiel in Hundings Hütte und weiteres Göttermissgeschick in der „Walküre“ am Freitag.

             

                              

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Kritik von Boris Michael Gruhl



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Sächsische Staatsoper Dresden, Semperoper: Richard Wagner, Das Rheingold

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Wolfgang Gussmann (Bühnenbild), Fabio Luisi (Dirigent), Willy Decker (Inszenierung), Wolfgang Gussmann (Kostüme), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Johann Tilli (Solist Gesang), Matthias Henneberg (Solist Gesang), Martin Homrich (Solist Gesang), Jukka Rasilainen (Solist Gesang), Mihoko Fujimura (Solist Gesang), Christa Mayer (Solist Gesang), Ute Selbig (Solist Gesang), Antigone Papoulkas (Solist Gesang), Agnete Munk Rassumussen (Solist Gesang), Michael Eder (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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