> > > > > 15.01.2007
Sonntag, 28. November 2021

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Semperoper Dresden, Copyright: Tilman2007

Semperoper Dresden, © Tilman2007

Umbesetzungen und andere Überraschungen in Dresden

Das kann doch eine Oper nicht erschüttern

"Ariadne auf Naxos“, Oper mit Vorspiel von Richard Strauss, seit März 1999 im Repertoire der Semperoper, zählt nicht zu den genialen Inszenierungen. Zu platt ist Marco Arturo Marellis Versuch, das Vorspiel in die unfertigen Betonflure einer Ausstellungshalle und die Oper selbst in die Vernissage einer Ausstellung im Hauptgebäudes zu verlegen. Zu rasch  entlarven sich auch die kommentierenden Parallelhandlungen der Statisterie in denen jede „wichtige“ Stelle noch einen Kommentar bekommt.


In den zurückliegenden 34 Vorstellungen gab es aber immer wieder musikalische Höhenflüge, läuft doch die kammermusikalisch besetzte Staatskapelle mit dem rechten Dirigenten am Pult gerne bei einem so diffizilen und filigranen Stück zur Hochform auf und macht ihrem Ruf große Ehre mit so witzigem wie schwelgerischem Sound zu glänzen. Das klappt nicht immer. In der 35. Aufführung steht Friedrich Haider am Pult. Zu beneiden ist er nicht. Lassen doch sehr später Publikumseinlass und die Umbesetzungsanzeigen darauf schließen, dass bis zum letzten Moment Rettungsaktionen stattfanden. Es ist erstaunlich, dass trotz unentschiedener Haltung die Musiker doch über weite Strecken gewohnten Glanz erstrahlen lassen können, wenn auch zwingende Akzente, gewohnte Feinheiten und Raffinessen fehlen. Ganz leicht hat es Haider nicht, das Geschehen an diesem Montagabend zusammenzuhalten.

 

Im Solistenensemble waren Debüts angekündigt. Es gibt Debüts, aber andere als geplant. Diana Damrau war erkrankt, sie hätte in diese Partie hier nicht zum ersten Mal gegeben. Dafür sprang die junge Alexandra Lubchansky als Zerbinetta ein. Die Partie mit ihren Koloraturattacken, lyrischen und liebevollen Passagen, träumerischen Sehnsuchtstönen, hat es in sich. Zudem werden Virilität, Humor und charmante Präsenz, körperlicher Einsatz verlangt. Hat Alexandra Lubchansky alles zu bieten. Ganz glatt geht es dennoch nicht, ein paar Unsicherheiten schleichen sich ein. Zum Problem werden sie nicht. Die Sängerin besteht diese Feuerprobe. 


Als Ariadne war Katarina Dalayman angekündigt. Gesungen hat Anna-Katharina Behnke. Eine Rettungstat. Kräftig geht die Sängerin zu Werke. Wer so lange wie Ariadne auf einer Insel allein ist, singt laut dagegen an. Noch lauter singt ihr Retter. Christian Franz als Bacchus könnte zur Gefahr für die Mauern des Opernhauses werden. Strauss hat ihm nur einen gar nicht so langen, dafür aber sehr heftigen Auftritt gegeben. Den nutzt der heldische Heldentenor mit aller Kraft. Mehr geht nicht.


Den Komponisten der Oper „Ariadne auf Naxos“ in der Oper gleichen Namens singt Kristine Jepson. Das ist ein echtes Dresdner Debüt in dieser Partie. Mit den Anforderungen einer Hosenrolle kommt sie weniger zurecht. Aber gesanglich hat die Frau im schlecht sitzenden Hosenanzug etliches zu bieten. Endlich mal wieder eine Frauenstimme mit den Dimensionen, die hier nötig sind. Ein wenig herb ja, aber welche Abstufungen, welche Kraft, die sich in Intensität ausdrückt, was nun wiederum – Kristine Jepson lässt es hören – gar nichts mit purer Lautstärke zu tun hat. Der Musikmeister an ihrer Seite ist Andreas Schmidt. Er hat es nicht leicht, das bringt einmal die Rolle mit sich, zum anderen sind stimmliche Probleme nicht zu überhören.

Zur Zerbinetta gesellen sich ein paar lustige Gestalten, sie müssen allerhand Quatsch machen, aber sie singen auch, und das hört sich gut an. Christoph Pohl ist der stimmschöne Harlekin, Gerald Hupach Scaramuccio, Truffaldin und Brighella sind André Eckert und Timothey Oliver mit dem frischen Tenor. Einen lustigen Tanzmeister singt Oliver Ringelhahn. Michael Auenmüller, Matthias Henneberg und Jürgen Commichau sind ein Offizier, ein Perückenmacher und ein Lakai. Die Inselwesen Najade, Dryade und Echo singen Anja-Maria Kaftan, Stefanie Atanasov und Kyung-Hae Kang. Das klingt nicht immer unbedingt so richtig gut. Macht alles nichts. So ist Oper auch. Lieber mal ein paar scharfe und laute Töne dabei als gar keine Oper.

        
          

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Kritik von Boris Michael Gruhl



Kontakt zur Redaktion


Richard Strauss, Ariadne auf Naxos : Dresden Semperoper

Ort: Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper),

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Friedrich Haider (Dirigent), Sächsische Staatskapelle Dresden (Orchester), Kyung-Hae Kang (Solist Gesang), Jürgen Commichau (Solist Gesang), Matthias Henneberg (Solist Gesang), Timothy Oliver (Solist Gesang), Oliver Ringelhahn (Solist Gesang), Gerald Hupach (Solist Gesang), Christoph Pohl (Solist Gesang), André Eckert (Solist Gesang), Andreas Schmidt (Solist Gesang), Kristine Jepson (Solist Gesang), Christian Franz (Solist Gesang), Alexandra Lubchansky (Solist Gesang), Stephanie Atanasov (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Sächsische Staatsoper Dresden (Semperoper)

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