> > > > > 23.07.2006
Montag, 19. August 2019

Herrenchiemsee-Festspiele würdigen Mozart & Mahler

Mozart-Linien

Einen ehrwürdigeren Rahmen als im prunkvollen Spiegelsaal von König Ludwigs Domizil Herrenchiemsee hätte sich der Jubilar Wolfgang Amadeus Mozart für sein Requiem wohl nicht vorstellen können. Mozart stand im Mittelpunkt des diesjährigen, unter dem Motto Mozart-Linien stattfindenden Festivals. «Wir wollen Linien aufzeigen, die von Mozart ins 19. und 20. Jahrhundert führen», so Festspielintendant Enoch zu Guttenberg. Demgemäß stand Mozarts todessehnsüchtige Werk, dessen Umstände über die Entstehung die Phantasie der Menschheit und deren Mythenbildung wie kein Anderes beflügelten, thematisch eng verbunden neben den Kindertotenliedern von Gustav Mahler. Ein Zyklus, der eine Auswahl von durch Trauer und Verzweiflung gezeichneten Gedichten Friedrich Rückerts als Textgrundlage verwendet.

Die Sopranistin Anke Vondung versetzte sich nur zu gut in die wehmütigen fünf Lieder, die den Tod der beiden Rückert-Kinder beklagten und interpretierte diese feinfühlig. Das Orchester der KlangVerwaltung unter der Stabführung des Intendanten Enoch zu Guttenberg hielt sich dabei dezent im Hintergrund und spiegelte den tiefst-schmerzlichen Gestus der Mahlerschen Totenklage wider.

Glanzlicht Neubeuerner Chorgemeinschaft

Höhepunkt des Abends war aber eindeutig das Requiem. Zum Orchester gesellten sich die Mitglieder der Chorgemeinschaft Neubeuern – für Musikkenner längst kein Geheimtipp mehr – die maßgeblich am Begeisterungssog des Sakralwerkes mitwirkten. Präzise im Klang, dominant und machtvoll, aber auch süßlich und ätherisch formten sie Gesangslinien, die Guttenberg sinnvoll zu einem Ganzen aus Orchester, Chor und Solisten führte. Die Solistenriege mit der Sopranistin Anna Kordoni, der Altistin Anke Vondung, Jörg Dürmüller, Tenor, und Georg Zeppenfeld, Bass, erwies sich als kluge Wahl: Das Ensemble überzeugte stimmlich.

Angsteinflößende Urgewalt

Angsteinflößend brach die Urgewalt des Dies irae über das Auditorium, empathisch das Rex tremendae, feierlich, ganz in Mozarts Manier, das Sanctus, um nur einige Sätze anzusprechen.Nur im Lacrimosa, in dessen Verlauf Mozarts Handschrift verstummte (und bis zum Ende der Messe von Franz Xaver Süßmayer fortgeführt wurde), hätte man sich die Traurigkeit der vorherigen Kindertotenlieder gewünscht: allzu heiter und zu flott steuerte Enoch zu Guttenberg seine Musiker durch die sonst so göttlich, ja überirdisch klingenden Passagen, die ihre Kraft in der Ruhe entfalten.

Brütende Hitze schafft Musiker wie Publikum

Die drückende Hitze im luftdicht verriegelten Spiegelsaal drückte die Stimmung im Publikum, auch den Musikern war eine hitzebedingte Erschöpfung anzusehen, die sich gegen Ende in kleine Unsauberheiten im Blech und in den Einsätzen der Violinen niederschlug.

Fazit: die genannten Kritikpunkte außer Acht gelassen, präsentierten die aufführenden Musiker samt Intendanten und Dirigenten Enoch zu Guttenberg ein gelungenes Abschlusskonzert der diesjährigen Festspiele Herrenchiemsee und machen gespannt auf den nächsten Sommer.

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Kritik von Florian Lang



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Herrenchiemsee Festspiele: Requiem

Ort: Spiegelsaal,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart, Gustav Mahler

Mitwirkende: Chorgemeinschaft Neubeuern (Chor), Enoch zu Guttenberg (Dirigent), Orchester der KlangVerwaltung (Orchester), Georg Zeppenfeld (Solist Gesang), Jörg Dürmüller (Solist Gesang), Anke Vondung (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Herrenchiemsee Festspiele

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