> > > > > 18.07.2006
Montag, 15. August 2022

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Festspielhaus Baden-Baden, Copyright: Patrick Pelster

Festspielhaus Baden-Baden, © Patrick Pelster

Der letzte Teil des

Berauschende Klangpracht und großartige Bilder

Mit einer großartigen „Götterdämmerung“ ging der Baden-Badener „Ring“ zu Ende. Ein krönender Abschluss für eine Inszenierung, die mit der Zeit immer zwingender wurde, weil sie sich in durchdachtem Verzicht übt. Im Großen und Ganzen ging das Konzept von Valery Gergiev, dem stürmisch bejubelten russischen Dirigenten, und George Tsypin, dem Architekten und Bühnenbildner, sehr gut auf. Als Gegenbewegung zu dem westlichen Regie-Theater war dieser „Ring“ angelegt, und man muss zugeben: es funktionierte. Grundlage dafür war vor allem die Gesamtheit aus Bühne, Licht und Musik. In einem viereckigen Kasten fanden sich während des gesamten „Rings“, also auch während der abschließenden „Götterdämmerung“, jene kultischen, menschenkörper-ähnlichen Riesengestalten, die an Darstellungen indigener Völker erinnern. Es gelang damit, die Handlung in eine vorzivilisatorische Zeit zu versetzen, ohne genaue Bestimmung des Ortes. Die Allgemeingültigkeit des Mythos wurde damit exzellent vorgeführt. Anders als viele moderne Inszenierungen ging es Gergiev und Tsypin nicht darum, ein bestimmtes Element des „Rings“ zu betonen (etwa die gesellschaftskritische Seite), sondern ein Geschehen auf die Bühne zu bringen, das durch die überzeitliche Darstellungsform bis in die Gegenwart zu reichen vermag, ohne dass die Handlung etwa in einem Bürogebäude statt fände. Mit verschiedenen, berauschenden Beleuchtungen und Video-Effekten (durch die beleuchtete Körper eine sich quasi bewegende Oberfläche bekamen) wurden nicht nur Szenen allegorisch dargestellt, auch persönliche Abhängigkeiten und psychologische Zusammenhänge, die in der Musik durch Wagners „Gefühlswegweiser“ auftauchen, wurden durch verschiedene Farben dargestellt – eine denkbar einfache und deshalb zwingende Idee. Einzig die Kostüme (verantwortlich: Tatiana Noginowa) fielen aus diesem abstrakten Rahmen. Siegfried kam in einem roten, zerlumpten Wams daher, die Götter in Umhängen, die aus der Requisitenkiste eines Historienfilms zu stammen scheinen, die Rheintöchter in muschelbesetzten, hellen Gewändern. Dies wirkte bisweilen etwas ulkig, auch wenn das Konzept, „historische“ Figuren in einen überzeitlichen Rahmen zu stellen, durchaus aufging. Der „Ring“ funktioniert eben, egal wo und wann die Figuren spielen.

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Kritik von Dr. Tobias Pfleger

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"Der Ring des Nibelungen": Sommerfestspiele Baden-Baden 2006

Ort: Festspielhaus,

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Valery Gergiev (Dirigent), Orchester des Mariinsky Theaters St. Petersburg (Orchester)

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