> > > > > 13.09.2023
Freitag, 22. September 2023

Die Deutsche Radiophilharmonie (Archivfoto), Copyright: Pasquale D'Angiolillo

Die Deutsche Radiophilharmonie (Archivfoto), © Pasquale D'Angiolillo

Die Deutsche Radiophilharmonie auf Südkorea-Tournee

Gelungener Auftakt

Von 1984-1990, noch vor der 2007 erfolgten Fusion mit dem SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern zur Deutschen Radiophilharmonie (DRP) wurde das Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken von dem südkoreanischen Dirigenten Myung-Whun Chung geleitet. Seit 2017 steht Pietari Inkinen der DRP vor, der wiederum seit 2022 gleichzeitig Chef des KBS Symphony Orchestra und damit bestens nach Südkorea vernetzt ist. Dorthin führt auch die derzeitige Tournee des Orchesters, im Seoul Arts Center macht der Klangkörper zum Auftakt Station.

Zu Beginn auf dem Programm: Wagners „Tannhäuser“-Ouvertüre, auch zu Wagner hat Inkinen – spätestens, seit seinem diesjährigen, 2020 pandemiebedingt verschobenen Debüt auf dem Grünen Hügel als musikalischer Leiter des kompletten „Rings“ – einen besonderen Bezug. Erhaben umrandete Blech-Sphären markieren den Eingang, über vereinnahmende Violoncello-Wärme führt der Weg zum Venusberg, dessen sinnlich aufgeladenes Treiben in glühend intensiven Farben flackert. Musikalisch zugespitzte Entwicklungen könnten stellenweise dynamisch noch stärker kulminieren.

Ausgelebte Emotionen

Im Anschluss nimmt Yeol Eum Son als Solistin in Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30 am Flügel Platz. Schon die Eingangsoktaven des Klavierparts sind fein schattiert, mit leichtgängiger Frische perlt das Passagenwerk. Inkinen und die DRP lassen der Solistin bestens dosierte, frei atmende Klangräume, authentisch ausgelebte Emotionen steigert sie bis in energetisch aufgeladene Akkordfolgen. Geballte Energien entladen sich in der Kadenz bis in fein ziselierte Diskantsphären. Im „Intermezzo“ hat Sons Spiel ungekünstelte lyrische Eloquenz, subtil kalibrierte Holzbläser und Streicher umrahmen den Solopart, die emotionalen Wellen in Sons Spiel schlagen weiterhin konstant hoch. Im Finale ist sie dem hohen Tempo – auch in den pianistisch fordernden Turbulenzen des Eingangsmotivs – technisch problemlos gewachsen, bis zur wirkungsvoll eingeleiteten Stretta bleibt sie im symbiotisch fließenden Dialog mit dem DRP. Für frenetischen Jubel bedankt sie sich mit Rachmaninoffs, in klangsensible Sphären gehülltem Prélude G-Dur op. 32/5.

Vitale Entschlossenheit

Alternierend mit Brahms´ „Dritter“ spielt das DRP an verschiedenen Orten auf der Korea-Tournee Beethovens Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92, so auch in Seoul. Im „Poco sostenuto“-Teil des Kopfsatzes baut Inkinen intensive Spannungsbögen auf, als versierter Impulsgeber erweist er sich im „Vivace“-Abschnitt. Im „Allegretto“ überzeugen dramaturgische Formgebung und kontrapunktische Genauigkeit, allerdings fällt das Tempo etwas zu zügig aus, atmungsaktivere Zäsuren würden hier und da guttun. Im dritten Satz glänzt die Interpretation des DRP durch vitale Entschlossenheit, scharfe Holzbläser-Konturen und rhythmisch straffen Pulsschlag. Im Schlusssatz springt der musikalisch temperamentvolle Funke direkt über, dass die Hornisten insgesamt nicht ihren besten Tag haben, fällt da nicht allzu sehr ins Gewicht. Mit gleich zwei Zugaben verabschiedet sich das DRP vom beeindruckend aufmerksamen und begeisterungsfähigen Publikum in Seoul: Wagners gekonnt zwischen feierlicher Würde und parodierendem Schalk vorgetragenem Vorspiel zu den „Meistersingern von Nürnberg“ und – als dankbar entgegengenommenes Gastgeschenk – der landesweit bekannten koreanischen Weise „Sehnsucht nach dem Kunggang-Berg“.

 

Kritik von Oliver Bernhardt

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