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Samstag, 4. Februar 2023

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Operette für zwei schwule Tenöre, Copyright: Robert Berlin

Operette für zwei schwule Tenöre, © Robert Berlin

Das BKA-Theater gewinnt mit einer Operetten-Uraufführung

Ein Liebeslied von Mann zu Mann

Der homosexuelle Krankenpfleger Tobi hat sich auf dem Land eingerichtet, weit weg von der Hauptstadtszene. Ein Häuschen mit Garten und Obstbäumen für selbstgemachte Marmelade in einem Dorf, wo die Mitmenschen tolerant und freundlich sind, danach hat der Großstädter gesucht. Als er auf einem Schützenfest auch noch den einheimischen Jan trifft ist das Glück perfekt. Sie werden ein Paar, doch nach vier Jahren kriselt es, Jan fühlt sich eingeengt, macht sich auf nach Berlin und lebt sich aus. Bis es ihn wieder in die Heimat und zu Tobi zieht. Happy End? Ja, natürlich, denn wir befinden uns in einer Operette, genauer der „Operette für zwei schwule Tenöre“. Es ist die erste queere der schon oft tot gesagten Gattung, die durch Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin eine wundersame und freche Wiedergeburt feierte. Eine veritable Uraufführung allerdings war nicht dabei, dieses Experiment wagte stattdessen im Oktober 2021 das kleine BKA-Theater. Mit dem Ergebnis, dass sich „Operette für zwei schwule Tenöre“, kreiert von Florian Ludewig und Johannes Kram, zum Publikumshit entwickelte und 2022 den Deutschen Musical Theaterpreis in der Kategorie „Beste Liedtexte“ gewann. Das zeitgemäße Stück zeigt eine unspektakuläre Männerbeziehung mit ganz normalen Höhen und Tiefen, in der sich viele wiederfinden können. Die Glaubwürdigkeit macht seinen besonderen Reiz aus, ein anderer ist Florian Ludewigs Musik im eingespielten üppigen Orchestersound. Mit einer richtigen Ouvertüre beginnt die Operette, dann folgt ein Ohrwurm nach dem anderen, mal im Walzer-, mal im Tango-Rhythmus, mit Reminiszenzen an berühmte Vorgänger, wie Lehars „Gern hab‘ ich die Frau‘n geküsst“.

Felix Heller als Jan und Christian Miebach als Tobi gehen ganz in ihren  Rollen auf. Sie sind ein charakterlich gegensätzliches Paar, der eine direkt und pragmatisch, der andere ein Romantiker mit rosaroter Brille. Stimmlich jedoch befinden sich die Tenöre mit viel Schmelz und Gefühl auf gleicher Höhe. Und in den kleinen Revueszenen können sie, Musical-Profis die sie sind, auch ihre Tanzqualitäten zeigen. Unterstützt werden sie dabei von einer dreiköpfigen Truppe. Sie ist wichtiger Teil der präzise getimten Inszenierung von Johannes Kram und Marco Krämer-Eis, die als Ausstattung nicht mehr braucht als ein paar bewegliche Würfelelemente und Lichteffekte. Wie Felix Heller nach dem Schlussjubel verkündet, soll die Show aufgrund der großen Nachfrage ab Januar 2023 jeden Monat für jeweils eine Woche den BKA-Spielplan zieren. Kult ist sie bereits geworden. Denn schöner als mit „Ein Liebeslied von Mann zu Mann“ kann man nicht für Offenheit gegenüber Beziehungen in jeder Form plädieren.

Kritik von Karin Coper

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