> > > > > 11.11.2022
Samstag, 26. November 2022

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Archivbild), Copyright: Astrid Ackermann

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Archivbild), © Astrid Ackermann

Das BRSO und Daniel Harding mit Strauss

Strauss reloaded

Déjà-Vu auf dem Programmzettel: Erst vergangene Woche hatte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Strauss´ bis in die kinematografische Welt der Hollywood-Filmstudios bekannte Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ op. 30 in der Isarphilharmonie unter Leitung des für Zubin Mehta eingesprungenen James Gaffigan gespielt. Weitere Parallele: Mehta kann nach wie vor nicht am Pult stehen. Die Leitung an seiner Stelle übernahm der als Einspringer häufig gebuchte Daniel Harding – und damit hat das gefühlte Déjà-Vu dann auch ein Ende, im Gegensatz zu Gaffigan gelingt unter seiner Leitung ein fulminanter Strauss-Abend.

Doch der Reihe nach. Eingangs des diesmal reinen Strauss-Programms erklingt mit „Don Juan“ op. 20 eine weitere Tondichtung des jungen Komponisten. Mit fokussiertem Elan stürzt sich Harding in die virile Jugendlichkeit des kraftstrotzenden Beginns, in satten Farben leuchten die schlanken Streicherbewegungen und die strahlenden Geigenpassagen der klassischen Probespielstelle. Mit einfühlsamer Schmeichelei macht der Titelheld seine amourösen Avancen, Konzertmeister Anton Barakhovsky glänzt mit klarem Ton und variablem Vibrato. Genauso erstklassig und innig: Das Oboen-Solo von Ramón Ortega Quero in der „zweiten Liebesszene“. Erste Eintrübungen der Hochstimmung hält das BRSO mit schattenhaft abgedunkeltem Streichertimbre fest, spannend zugespitzt ist die „Schwertkampf“-Episode, die dramaturgische Entwicklung verliert nie den erzählerischen roten Faden bis zum finalen Kollaps.

Klingende Poesie

Wie Harding hat auch die Sopranistin Sarah Wegener in der Vergangenheit schon mit dem BRSO zusammengearbeitet, man kennt sich noch aus der Zeit unter Mariss Jansons, damals ebenfalls mit Strauss-Liedern. Zwischen den beiden frühen Tondichtungen stehen an diesem Abend die „Vier letzten Lieder“ AV 150 aus dem Spätwerk. Teils eher zügige Tempi hindern nicht die lyrische Ausdrucks- und Leuchtkraft der Farben wie die des „September“-Herbstgolds. Wegener erschließt die melancholischen Bilderwelten mit schlanker Beweglichkeit in allen Registern und sicheren Spitzentönen, zum Ende von „September“ im innigen Dialog mit dem bestens aufgelegten Solo-Hornist Carsten Carey Duffin. Mit wunderbarer kantabler Tragweite holt Anton Barakhovskys Violinsolo in „Beim Schlafengehen“ zum freien Seelenflug aus, der sich getragen von Wegeners einfühlsamer Phrasierung in sphärische Höhen aufschwingt. Auch die lebendige Kommunikation mit dem Orchester macht Strauss´ verklärenden Lebensrückblick zu dem, was er ist: Klingende Poesie.

Präzises Timing

Und damit zurück zu „Zarathustra“. Im Gegensatz zu Gaffigan gelingt Harding eine durch und durch tiefenscharfe Durchdringung der Partitur, ungleich besser aufeinander abgestimmt und durchhörbar ist im Vergleich zur Vorwoche die Interaktion der Instrumentengruppen. Der initiale „Sonnenaufgang“ gestattet sich volle Leuchtkraft, die „große Sehnsucht“ authentisch in spätromantischen Reminiszenzen schwelgende Emotionen. Harding lotet auch die von Strauss ausgetesteten harmonischen Grenzbereiche und die dynamischen Gegensätze, sei es im pompösen Tutti-Überschwang oder im kammermusikalischen Miniaturformat der Streicherstimmen vielsagend aus. Das Orchester trägt das von Anton Barakhovsky mit süffigem rhythmischem Charisma intonierte Violinsolo im „Tanzlied“ anders als unter Gaffigan diesmal geschlossen mit. Allenfalls der „Epilog“ könnte ein wenig entrückter ausklingen. Der Abend offenbart, wie essenziell präzises Timing in Strauss´ Tondichtungen für selbsterklärt "großes Orchester" ist. Hardings Dirigat hat es.

Kritik von Oliver Bernhardt

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Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Daniel Harding

Ort: Isar-Philharmonie,

Werke von: Richard Strauss

Mitwirkende: Daniel Harding (Dirigent), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Orchester)

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