> > > > > 05.11.2022
Samstag, 26. November 2022

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Archivbild), Copyright: Astrid Ackermann

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Archivbild), © Astrid Ackermann

Das BRSO mit Haydn und Mahler

Maximale Sinnlichkeit

Dritter Tag der Konzertwoche des BRSO mit dem für Zubin Mehta eingesprungenen US-amerikanischen Dirigenten James Gaffigan. Zwischen vergleichsweise klanglichem Bombast am Vorabend bzw. in der nachfolgenden Konzerthälfte steht mit Haydns Sinfonia concertante B-Dur Hob. I:105 ein starker stilistischer Kontrast auf dem Programm. Sich auf diesen einzustellen, haben das BRSO und Gaffigan keine Probleme.

Passgenaue Konversation

Von den ersten Takten an treffen sie die luftig-transparente Leichtigkeit des Wiener klassischen Seins, mit hoher Intonationsgenauigkeit stehen die Solisten aus den eigenen Reihen im ständigen Austausch. Man merkt Radoslaw Szulc (Violine), Giorgi Kharadze (Violoncello), Ramón Ortega Quero (Oboe) und Mor Biron (Fagott) die Freude am Konzertieren im besten Sinn der Gattung – hier in der Synthese aus dem Zenit Haydns symphonischer Meisterschaft und kammermusikalischer Intimität – jederzeit an. Passgenaue Konversation bis ins Kleinformat der Kadenz macht einen wichtigen Teil des Erfolgsrezepts aus, keiner der Solisten spielt sich in den Vordergrund, gleichberechtigte Balance und ausgeprägte Musikalität bis in die atmungsaktiven Pausen sind Trumpf. Beispielhaft und mit dezenter Delikatesse vorgeführt von Konzertmeister Szulc im Violinsolo mit Rezitativcharakter zu Beginn des Schlusssatzes, dem als weiterhin durchgehendes Markenzeichen bestens vernetzte Stimmen und ein nie abreißender Kommunikationsfaden anhaften. Für begeisterten Applaus bedanken sich die vier Solisten mit der raffiniert arrangierten „Passacaglia frei nach Händel“, der lyrisch geschmeidige Ton von Solo-Oboist Ortega Quero ragt als „Primus inter pares“ heraus.

Polyphoner Feinschliff

Nach der Pause sitzt das Trompeten-Solo zu Beginn von Mahlers Symphonie Nr. 5 cis-Moll perfekt, das BRSO und Gaffigan zeigen unmittelbar das richtige Gespür für klangliche Farbwechsel und phrasieren mit durchdringender Spannung. Insgesamt könnten dynamische Akzente etwas markanter gesetzt werden, wo Mahler in den Satzbezeichnungen „strikt“, „kräftig“ oder „mit größter Vehemenz“ fordert, wäre sicherlich noch Luft nach oben, generell setzt Gaffigan eher auf weich zeichnende Linienführung denn auf impulsive Wucht. Dadurch haben Klangexplosionen auf der einen Seite nicht ganz die Sprengkraft wie seinerzeit unter Mariss Jansons. Auf der anderen Seite punktet Gaffigans Interpretation mit exquisit warmem Streichertimbre, mit besonderem agogischem Feingefühl formt er den tänzerischen Pulsschlag und die rhythmischen Spitzen des „Scherzo“, an dessen Ende glänzt unter den durchweg hochwertigen Solostimmen Hornist Carsten Carey Duffin. Beeindruckend hier auch die Pizzicato-Präzision. Ganz besonders profitiert von Gaffigans vergleichsweise zurückhaltender, nicht zu dick auftragender Diktion das „Adagietto“: Ein duftiger, maximal sinnlicher Streicherhauch durchweht den berühmtesten der fünf Sätze, emotional nachdrücklicher und süffiger hört man diese anekdotisch überlieferte Liebeserklärung selten. Magdalena Hoffmann setzt raumgreifend aufblühende Harfenimpulse. Das Finale hat den nötigen polyphonen Feinschliff, ein wenig höher könnten die emotionalen Wellen hier und da noch schlagen. Solo-Pauker Raymond Curfs brilliert wie gewohnt als charismatischer Kopf des Schlagwerks und umsichtiger Taktgeber. Das BRSO nimmt Mahlers „Fünfte“ als nächstes mit auf Tournee nach Spanien – der direkte Vergleich dürfte hoch interessant werden, am Pult stehen wird dann Iván Fischer.

Kritik von Oliver Bernhardt

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