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Mittwoch, 30. November 2022

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Oper Köln "Les Troyens" 1, Copyright: Matthias Jung

Oper Köln "Les Troyens" 1, © Matthias Jung

Anmerkungen zu „Les Troyens“ in Köln

Denn Götter können nicht lieben

Spannender, dramatischer kann man den Untergang Trojas klanglich nicht in Szene setzen: Kassandra hat die Trojaner, insbesondere ihren Verlobten Choroebus vergeblich zu warnen versucht. Sie kann das Schicksal nur noch um Gnade bitten. Der feierliche Einzug der „Maschine“ setzt sich in Gang. Ein wie aus dem Nichts einsetzender, lauter werdender Klang unsichtbarer, gemessen schreitender Chormassen bewegt sich aus entgegengesetzten Richtungen auf die Seherin zu. Die Zerstörung Trojas steht hörbar bevor. Ferne Trompetensignale, Waffenlärm künden den nahenden Feind. Dazwischen die von Isabelle Druet eindrücklich verkörperten, dramatischen Rufe der immer verzweifelteren Kassandra. Das Schicksal geht seinen unausweichlichen Gang. 

Mit „Les Troyens“, dem zwischen 1856 und 1858 komponierten Opus magnum von Hector Berlioz startet die Oper Köln in die neue Saison 22/23. Gesangssolisten, Chor und Zusatzchor der Oper Köln, das Gürzenich-Orchester und François-Xavier Roth, der zur Spielzeit 2025/2026 die Nachfolge von Theodor Currentzis als  Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des SWR Symphonieorchesters wird, nutzen die Raumdimensionen des Staatenhauses kongenial, um die Klangwelten und Instrumentationskunst des Komponisten effekt- und spannungsvoll, mit unglaublicher Präzision vor Augen zu führen. 

Regisseur Johannes Erath hat eine eigene, anspielungsreiche Lesart der Symbole. In der oben beschriebenen Szene bleibt er ganz bei den Beobachtungen und Erfahrungen Kassandras, um sodann an ihre eigenen, sexuellen Gewalterfahrungen zu erinnern. Das trojanische Pferd wird zum Symbol für Gewalt und Vergewaltigung und die Trojanerinnen wählen den kollektiven Freitod, um dem Feind nicht in die Hände zu fallen. 

Im Karthago-Teil der Oper versucht Dido vergeblich, das Schicksal aufzuhalten und ihren geliebten Aeneas an der Order der Götter, der Weiterfahrt nach Italien zu hindern. Wunderbar wie Veronica Simeoni den nicht enden wollenden Melodiestrom ganz aus dem Klang der Vokale fließen lässt und die Musik das Liebesglück, den Triumph der Liebe in der Berlioz eigenen „Ivresse“ immer wieder feiert, um den von Mirko Roschkowski klangvoll gestalteten Schmerz des Abschieds noch deutlicher hervortreten zu lassen.  

Im Liebesduett „Nuit d’ivresse“ dreht sich die von Heike Scheele entworfene Bühnenarchitektur im Kreis. Die Orchester-Arena in die eine, der erhöhte, das Orchester umrundende, neonfarben beleuchtete und dem Spiel vorbehaltene Laufsteg in die andere Richtung. Und für einen kurzen Moment sieht man, wie die bei Erath sichtbaren, immer wieder in weißem Glanz und Glamour posierenden Götter, in Trauermine erstarren und sich hinter einem umgestürzten, gigantischen Götterstatuenkopf zusammengekauert haben. 

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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Les Troyens: Oper von Hector Berlioz

Ort: Oper,

Werke von: Hector Berlioz

Mitwirkende: Francois-Xavier Roth (Dirigent), Gürzenich-Orchester Köln (Orchester), Mirko Roschkowski (Solist Gesang)

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