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Samstag, 4. Februar 2023

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75 Jahre Komische Oper Berlin, Copyright: Barbara Braun

75 Jahre Komische Oper Berlin, © Barbara Braun

Die Komische Oper Berlin feiert ihren 75. Geburtstag

Oper fürs Volk

Im Jubiläumsband der Komischen Oper anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens wird der Gründungsakt im Juni 1947 genau beschrieben: wie der damalige sowjetische Kulturoffizier Alexander Lwowitsch Dymschitz die Lizenz für Ostberlins neues Musiktheater an den künftigen Intendanten und Chefregisseur Walter Felsenstein übergab, dabei nicht ganz ungefährlich auf zwei Balken in dem noch unfertigen Haus an der Behrensstraße balancierend. Nur sechs Monate später und unter schwierigsten Probebedingungen war es soweit. Am 23. Dezember 1947 hob sich der Vorhang für die Premiere von Johann Strauß‘ „Die Fledermaus“, die eine musiktheatralische Revolution einläutete. Felsensteins Credo: die Handlung sollte im kleinsten Detail nachvollziehbar sein, auf der Bühne agierten statt Gesangsmaschinen wahre Menschen und zum besseren Verständnis des Publikums in deutscher Sprache. Dessen Nachwirkungen machen bis heute, ein Dreivierteljahrhundert später, den Geist des Hauses aus.  Der 75. Geburtstag wird am 23. Dezember 2022 entsprechend gefeiert, mit einer gut neunzigminütigen Gala-Veranstaltung in Anwesenheit von Senatsangehörigen und dem Bundespräsidenten. Diser hebt in seiner Begrüßungsrede die Wichtigkeit des Hauses hervor - das tatsächlich nach der Maueröffnung zur Disposition stand, als es aus Kostengründen um die Schließung einer der drei Berliner Opernbühnen ging. Anschließend hebt Hendrik Vestmann den Taktstock zur „Fledermaus“-Ouvertüre, kombiniert mit parallel gezeigten Videos vom zerstörten Berlin, von Trümmerfrauen und dem Leben in Ruinen - ein starker Kontrast von Operettenseligkeit und damaliger Realität. Damit beginnt ein vom Regisseur Axel Ranisch konzipierter Streifzug durch die Historie der Komischen Oper. Filmdokumente, Spiel- und Musikszenen wechseln sich dabei ab, zunächst mit Walter Felsenstein in der Hauptrolle. Er tritt in Gestalt von Max Hopp persönlich auf, wird lebendig im Videointerview mit seinem Sohn Christoph und durch Kostproben aus einigen seiner Paradeinszenierungen, wie Offenbachs „Ritter Blaubart“ und Jerry Bocks „Der Fiedler auf dem Dach“. Felsenstein setzte die Erstaufführung des Musicals in der DDR durch, in Barrie Koskys Regie erlebte es unter dem Titel „Anatevka“ mit Hopp als Tewje eine prächtige Wiedergeburt.

Was den Rang der Komischen Oper für sie ausmacht, dazu äußern sich Zeitzeugen aus dem Ensemble. Die Chorsolistin Andrea Willert schwärmt von der szenischen Wendigkeit des Gesangskollektivs, die Chefinspizientin Sabine Franz, aber auch Felsensteins regieführende Nachfolgeintendanten Harry Kupfer und Andreas Homoki, dessen Inszenierung von „Die Liebe zu den drei Orangen“ seit 1998 auf dem Spielplan steht, vom inspirierenden Teamgeist. Unter Barrie Kosky erlebte das Haus einen überregionalen Aufschwung. Die Wiederentdeckung der Jazzoperette, die der stilistischen Flexibilität des Orchesters eine weitere Facette hinzufügte, und Stars, wie Dagmar Manzel, neue Glanzrollen bescherte - wie sie im Couplet aus „Die Perlen der Cleopatra“ beweist - gehört zu den Höhepunkten seiner an Höhepunkten so reichen Ära.

Das Finale allerdings präsentiert noch einmal „Die Fledermaus“. Im Champagner-Lied kommen alle Mitwirkenden zusammen und singen: „Stosst an! Stosst an! Stosst an!“ Dem kann man nur zustimmen und dem neuen Leitungsduo Susanne Moser und Philip Bröking ein glückliches Händchen für die Zukunft und die Herausforderungen beim anstehenden Umzug ins westliche Schillertheater wünschen.

Kritik von Karin Coper

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