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Mittwoch, 30. November 2022

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Josh Lovell (Gérald) und Aigul Khismatullina (Lakmé), Copyright: Marcus Lieberenz

Josh Lovell (Gérald) und Aigul Khismatullina (Lakmé), © Marcus Lieberenz

Die Deutsche Oper Berlin bringt eine konzertante Aufführung von "Lakmé"

Indische Liebesträume

Ob „Die Afrikanerin“ „Madame Butterfly“ oder „Miss Saigon“: die Liebe zwischen einheimischen Frauen und europäischen Besatzungssoldaten endet im Musiktheater selten gut. Auch der Inderin „Lakmé“ in der gleichnamigen Oper des französischen Komponisten Léo Delibes ist ein trauriges Schicksal beschieden. Ihre verpönte Beziehung zum englischen Offizier Gerald wird vom Priestervater verflucht. Als ihr Geliebter pflichtgetreu zum Regiment zurückkehren will, vergiftet sie sich mit einer Blume, rettet ihn allerdings vorher noch vor dem sicheren Tod, in dem sie ihn heiliges Wasser trinken lässt. Delibes, heute am ehesten für die Ballette „Coppélia“ und „Sylvia“ bekannt, ließ sich für seine 1883 uraufgeführte Oper von der Exotik-Mode des ausgehenden 19. Jahrhundert inspirieren. Damals war sie international ein Triumph, heute wird sie zumindest in Deutschland nur noch selten gespielt. Und doch kennt man sie: wegen der „Glöckchenarie“, einem Paradestück für jeden Koloratursopran, und dem aus Film und Werbung zu Popularität erlangten Blumenduett. Dass „Lakmé“ mehr als diese beiden Highlights zu bieten hat, ist das Resümee der konzertanten Aufführung, die die Deutsche Oper Berlin in der gut gefüllten Philharmonie präsentiert. Diese dient - bedingt durch Renovierungs- und Erweiterungsmaßnahmen des Orchestergrabens - als Ersatzspielstätte. Mit einer erstklassigen, absolut rollengerechten Besetzung, die ganz ohne Stars auskommt. Da ist am Pult Daniela Candillari, die die sanft fließenden Melodien der lyrisch grundierten Musik sensibel heraus modelliert und die indisch kolorierten Chorszenen – der Klangkörper der Deutschen Oper ist wieder einmal eine Wucht – mit Schmackes dirigiert. Die Titelpartie singt Aigul Khismatullina in einer Weise, die von Beginn an zu Herzen geht. Innig strömt ihr lichter Sopran bis in höchste Höhen, die Koloraturen kommen gestochen scharf. Unschuld, Keuschheit, Naivität: alle diese Eigenschaften, verbunden mit emotionaler Hingabe spiegeln sich in ihrer Stimme und ihrem natürlichen Spiel: eine Idealverkörperung. Josh Lovell, auch optisch ein fescher Militär, verführt durch seinen einschmeichelnd-sinnlichen Tenor, elegante Phrasierung und unangestrengte Spitzentöne. Markante vokale Kontur, die im erschütternden finalen Verzweiflungsausbruch kulminiert, gibt Thomas Lehman Lakmés Vater Nilakantha, mit noblem Bariton profiliert sich Dean Murphy als zweiter Soldat und im Blumenduett finden die Mezzosopranistin Mireille Lebel als Dienerin und Lakmé in schöner Harmonie zusammen. Auch das weitere Ensemble - die Stipendiaten Hye-Young Moon, Arianna Manangello und Thomas Cilluffo sowie die erfahrene, ausdrucksstarke Sylvie Brunet-Grupposo – sind sowohl vokal als auch darstellerisch absolut überzeugend. Ein beglückender Abend!

Kritik von Karin Coper

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