> > > > > 02.10.2022
Mittwoch, 30. November 2022

1 / 3 >

Elbphilharmonie Hamburg, Copyright: Sarahhoa

Elbphilharmonie Hamburg, © Sarahhoa

Nagano dirigiert Mahler

Schillernde Expansion

Zum Auftakt der Konzertsaison des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg hatte Generalmusikdirektor Kent Nagano im Großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie kein geringeres Werk als Gustav Mahlers (1860-1911) expansiv wuchernde Sechste Sinfonie in a-Moll auf Programm gesetzt. In Hamburg können Mahlerianer aktuell aus dem Vollen schöpfen, gibt es neben Nagano mit Alan Gilbert doch gleich noch eine Mahler-Koryphäe, die in dieser Saison mit der „Auferstehungssinfonie“ und der Siebten ebenfalls Mahler auf's Programm gesetzt hat. Doch zurück zu Nagano: Im fünften Jahr der Elbphilharmonie dürfte es nur wenig andere Dirigenten geben, die sich mit der beispiellos klaren Akustik des Großen Saals so gut auskennen und diese vor allem für groß besetzte Werke zu nutzen verstehen. Kein Wunder also, dass Mahlers Instrumentationskunst auf der voll besetzten Bühne ein ums andere Mal mit staunenswerter Sicherheit entfaltet wurde. Dafür musste man nicht erst bis zum dramatisch wabernden Finale mit den Hammerschlägen warten. Nur eines von unzähligen Beispielen: Schon in der Kopfsatz-Exposition in der zum Alma-Thema überleitenden Holzbläsersektion wurde das schillernde Gewebe aus Flöten, Klarinetten, Oboen, Hörnern und Pizzicati so klar ausbalanciert ausgebreitet, dass manche Studioaufnahme sich eine Scheibe abschneiden konnte. Dieser Primat der Balance hatte eine gewisse ‚Demokratisierung‘ des Orchesterklangs zur Folge und ging bisweilen zu Lasten des letzten Quäntchens Expressivität, was als interpretatorische Entscheidung jedoch Sinn ergab. Überhaupt schienen in dieser Aufführung auch weniger die krassen Brüche als das unentwegt oszillierende Ganze im Vordergrund zu stehen. Die vielen Soli waren zwar weiterhin gut zu vernehmen, stachen jedoch nicht so sehr hervor, wie es hätte möglich sein können. Alles war in den harmonisch wie formal windungsreichen Verlauf eingebettet. Auch von einer Dominanz der Streicher à la Bernstein konnte hier zu keinem Zeitpunkt die Rede sein. Vielmehr schienen es bei dieser Aufführung Nagano auch die Holzbläser angetan zu haben, deren weit aufgefächerter Satz in allen Spielarten zum Vorschein gelangte, vom entenhaften Quaken der Oboe im Trio des Scherzos über die schrillen Piccoloflöten im Tutti bis zu den gellenden Wirtshausklarinetten. Allein zu Beginn des „Andante moderato“ ließ Nagano die Streicher in voller Breite leise auftrumpfen, um die melodische Polyphonie des Themas auszukosten. Das alles klang so übersprudelnd farblich reich und lebensfroh, dass man die drei den Helden fällenden Hammerschläge im Finale gar nicht so tragisch nehmen wollte. Und so währte auch das Innehalten nach dem Schlussakkord nur kurz. Es folgten großer Jubel und Standing Ovations.

Um die komplette Kritik zu lesen, loggen Sie sich bitte mit Ihrer Email-Adresse und Ihrem Kennwort ein:

E-Mail:
Kennwort:


Sollten Sie noch kein Nutzerkonto bei klassik.com besitzen, können Sie sich hier kostenlos registrieren.

Mehr erfahren über den Autor

Kritik von Dr. Aron Sayed

Kontakt aufnehmen mit dem Autor

Kontakt zur Redaktion


Kent Nagano: Mahler 6

Ort: Elbphilharmonie,

Werke von: Gustav Mahler

Mitwirkende: Kent Nagano (Dirigent), Philharmonisches Staatsorchester Hamburg (Orchester)

Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel.

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.


Magazine zum Downloaden

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte) NOTE 1 - Mitteilungen (11/2022) herunterladen (2700 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Henri Bertini: Nonetto op.107 in D major - La Melancolie - Lento con tranquilezza

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich