> > > > > 26.06.2022
Dienstag, 9. August 2022

Haydns Schöpfung in der Münchner Isar-Philharmonie, Copyright: Philip Foidl

Haydns Schöpfung in der Münchner Isar-Philharmonie, © Philip Foidl

Sonja Lachenmayr debütiert als Dirigentin bei den Münchner Philharmonikern

Als Haydn durch das Teleskop schaute...

Im Abschlusskonzert des Festivals „MPHIL 360°“ der Münchner Philharmoniker erklang Joseph Haydns „Schöpfung“ in der Isarphilharmonie in München. Das Festival unter dem Motto „Space Odyssey“ rahmte über das letzte Juni-Wochenende eine Reihe von Veranstaltungen ein, die in außergewöhnlichen Formaten für den kleinen Geldbeutel gestaltet waren; darunter Konzerte unter Krzysztof Urbański, ein Aktionstag zum Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel sowie ein „Symphonic Mob“. Im Zentrum des Festivals sowie des Abschlusskonzertes stand neben Kosmos und Erde auch die Jugend. So bestand das Orchester in Haydns Schöpfung nicht nur aus Mitgliedern der Münchner Philharmoniker, sondern auch der Orchesterakademie der Münchner Philharmoniker und des Odeon Jugendsinfonieorchesters, letztere einstudiert von Julio Doggenweiler Fernández.

Sonja Lachenmayr gab mit dem Konzert ihr Debüt bei den Münchner Philharmonikern. Die 30-jährige Dirigentin wusste die fragmentierte Konstellation der Profis gemischt mit Jugendlichen gut zusammenzuhalten, indem sie eher sichere als belebte Tempi wählte. Das dynamische und ausdrucksstarke Dirigat riss Chor und Orchester mit, besondere Beachtung schenkte sie dabei Gestaltung und Phrasierung der Chorpartien. Der Philharmonische Chor, einstudiert von Andreas Hermann, konnte im Forte mit seiner gewohnten Stimmgewalt glänzen, blieb jedoch an leisen Stellen teils hinter dem Orchester versteckt.

Die Solisten waren mit der Sopranistin Theresa Dax als Gabriel, dem Tenor Thomas Kiechle als Uriel und dem Bass Manuel Winkhler als Raphael besetzt. Dax war kurzfristig eingesprungen, zeigte dennoch eine sichere Phrasierung der Koloraturen und berührte in ihren Arien mit einer weichen Interpretation. Die Rollen der Eva und des Adams waren mit Flore van Meerssche und Jonas Müller – zwar unüblich, aber durchaus lohnend – zusätzlich besetzt. Die Sopranistin sang eine überzeugende Eva mit vollem Klang und stilsicherem Vibrato. Der erst 22-jährige Bariton zeigte sich als exzellente Besetzung des Adams mit sauberer Intonation und gefühlvollem Timbre und hätte durchaus die gesamte Basspartie des Oratoriums übernehmen können.

Ergänzt wurde das Oratorium von physikalischen Erläuterungen zur Entstehung des Universums, der Erde und der Menschheit. Vor den drei Teilen des Werks lockerte Astrophysiker und Fernsehmoderator Harald Lesch mit gewitzten Vorträgen den Konzertabend auf informative Weise auf. Das Bühnenbild wurde von Lichtdesigner Philip Foidl mit einer kunstvollen Licht-Choreographie gestaltet. Auf plakative, aber doch beeindruckende Weise gab sie dem Konzertsaal eine Atmosphäre, die an die Weiten des Weltraums erinnerte und die „Space Odyssey“ gelungen abrundete.

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Kritik von Lisa Böffgen

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Joseph Haydn: Die Schöpfung: MPhil 360

Ort: Isar-Philharmonie,

Werke von: Joseph Haydn

Mitwirkende: Münchner Philharmoniker (Orchester)

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