> > > > > 13.06.2022
Samstag, 25. Juni 2022

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Lidia Fridman, Copyright: Clarissa Lapolla

Lidia Fridman, © Clarissa Lapolla

Die Berliner Operngruppe mit Rarem aus Italien

Halbszenische Opernfreuden

Seit 2010 lenkt die Berliner Operngruppe unter der künstlerischen Leitung von  Dirigent Felix Krieger einmal jährlich den Blick des Hauptstadtpublikums auf Bühnenwerke abseits des bekannten Repertoires. Die halbszenischen Aufführungen des Ensembles, das aus freischaffenden Orchesterprofis, Studenten und einem Chorstamm mit erfahrenen Amateuren besteht, konzentrierten sich zunächst auf den Belcanto Donizettis, Bellinis und des frühen Verdi. Inzwischen hat sich der Radius in Richtung italienischer Oper um 1900 erweitert. Nach Puccinis „Edgar“ und Mascagnis „Iris“ wählte Krieger für die aktuelle Produktion im Konzerthaus zwei Zweipersonenstücke dieser Epoche aus: Mascagnis lyrisches Intermezzo „Zanetto“ von 1896 und Ermanno Wolf-Ferraris Einakter „Il segreto di Susanna“ aus dem Jahr 1911. Geschuldet mag diese Zusammenstellung noch den Nachwirkungen der Pandemie sein, denn der Chor, sonst mit umfassenden Aufgaben betraut, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das ist schade, denn er zeigt sich, von Steffen Schubert in nur wenigen Proben einstudiert, in seinem einzigen Auftritt auf gesanglicher Höhe. Es ist eine träumerische a-capella-Vocalise, die am Beginn von „Zanetto“ auf die melancholische Handlung einstimmt. Sie dreht sich um die Begegnung des titelgebenden fahrenden Poeten mit der reichen und berühmten Kurtisane Silvia. Ohne sie zu erkennen kommen sich beide näher, doch trotz aufkeimender Gefühle zieht Zanetto weiter. Nur vierzig Minuten dauert das Stück, aber die sind überreich an melodiösen Eingebungen und üppigem orchestralem Klangkolorit.

Nach der Pause folgt mit Ermanno Wolf-Ferraris „Il segreto di Susanna“ der heitere Kontrast. Weil es zu Hause nach Rauch riecht, vermutet ein frisch vermählter Graf, dass seine Frau ihn betrügt. Doch sie ist es selber, die heimlich zu Zigaretten greift. Zur Versöhnung beschließt das Paar von nun an gemeinsam zu qualmen. Die prickelnde, duftige Musik zur antiquierten Handlung belebt die Opera Buffa des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die der Komponist zu neuer Blüte brachte. 

Szenisch muss sich Regisseurin Isabel Ostermann im „Zanetto“ umbesetzungsbedingt auf wenige angedeutete Aktionen beschränken, im zweiten Teil entfacht sie hingegen komödiantische Turbulenz, speziell durch die Aufwertung des von Guido Lamprecht in Geste und Mimik wendig verkörperten stummen Dieners. 

Motor der Aufführung aber ist Felix Krieger. Er dirigiert das auf hohem Niveau aufspielende Orchester der Berliner Operngruppe mit leidenschaftlichem Impetus und stilistischem Wissen. Und er beweist auch dieses Mal ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Sänger. In „Il segreto di Susanna“ stattet Lidia Fridman, die sich bereits in anspruchsvollen Belcantopartien hervorgetan hat, die Titelfigur mit starker Bühnenpräsenz und einem aparten Sopran aus. Mit Omar Montanari steht ihr ein gestandener Bassbariton-Buffo zur Seite. In „Zanetto“ lässt Narine Yeghiyan, im letzten Moment für Elbenita Kajtazi eingesprungen, durch ihre souveräne vokale Gestaltung der Silvia die kurzfristige Übernahme komplett vergessen. Starkes Profil gibt Yajie Zhang der Hosenrolle des Zanetto. Mit warmem, in allen Lagen auffallend ebenmäßigem Mezzosopran ist sie die Entdeckung des Abends. Der ist insgesamt ein klingender Beweis für die künstlerische Leistungskraft der Berliner Operngruppe.

Kritik von Karin Coper

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