> > > > > 11.06.2022
Samstag, 25. Juni 2022

Konzertanter Stimm- und Musikgenuss in Dortmund

Caterina Cornaro, lyrische Tragödie von Donizetti

Selbstbestimmung und Heirat aus Liebe sind im 15. Jahrhundert für Frauen undenkbar. Jung muss sie sein, um Söhne und Thronfolger zu gebären und reich, um einen Zuwachs an Macht zu ermöglichen. Die historische Caterina Corner war beides. 1454 als Tochter eines vermögenden venezianischen Dogen geboren, wurde sie 14-jährig mit dem König von Zypern verheiratet. Jakob II. von Lusignan verstarb 1473. Caterina wurde nun offiziell Königin von Zypern - gegängelt und überwacht von den politischen Vertretern Venedigs. 

Ihr Schicksal war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein beliebter Opernstoff. Auch Donizetti, der seit 1838 in Paris Karriere machte, griff die historische Figur kurz vor seinem Tod als dramatisch abwechslungsreiche, lyrische Tragödie auf. Die eigentlichen Protagonisten der Handlung sind hier vor allem Caterinas französischer Geliebter Gerardo, ihr späterer Gatte und König von Zypern Lusignano und der venezianische Intrigant Moncenigo.

Gleich im dramatisch aufgeladenen Prolog deutet sich das Drama an. Caterina ist im Begriff, ihren Geliebten, den französischen Edelmann Gerardo zu ehelichen, als der intrigante Mocenigo sie bzw. zunächst ihren Vater nötigt, die Hochzeit zu verschieben, die Verlobung zu lösen und statt ihres Geliebten einen Fremden namens Lusignano, König von Zypern zu heiraten. Um das Leben ihres Liebsten zu retten, behauptet Caterina schließlich, ihn nicht mehr zu lieben. Bitter enttäuscht verdammt Gerardo seine Liebe und flieht, während sie zusammengebrochen am Boden liegt. 

Der erste Akt führt, Jahre später, die politischen Auseinandersetzungen um Zypern vor Augen. König Lusignano erkennt die Intrigen Mocenigos und Strozzis, ihn vom Thron zu stürzen und Zypern zu unterwerfen. Er rettet dem zum Ritter mutierten Gerardo das Leben, während sich letzterer immer noch voller Kränkung und Hass an seinem ehemaligen Kontrahenten rächen will. Überzeugt von den guten Absichten seines Lebensretters schließt Gerardo jedoch Freundschaft und verspricht, Lusignano im Kampf mit dem Löwen Venedig zu unterstützen. 

Auch Caterina begegnet dem Ritter und erkennt ihn sogleich an seiner Stimme als ihren ehemaligen Geliebten. Beide gestehen sich ihre ehemalige Liebe - ohne wahnsinnig zu werden oder sich das Leben zu nehmen. Ritter Gerardo erinnert sich „wie an einen Schatz, der verloren ging“ und nimmt sie in seine abendlichen, ritterlichen Gebete auf. Sie ringt um Fassung und spricht von „mein Bruder, mein süßer Freund“. 

Vereint sind beide im Befreiungskampf um Zypern, dem der zweite Akt gewidmet ist. Gerardo wirbt flammend für die Mobilmachung, der Krieg wütet mit Tod und Zerstörung, Caterina bangt um das Leben ihres Gatten Lusignano und ritterlichen Freundes Gerardo. Lusignano kehrt zu Tode verletzt aus dem Krieg zurück und übergibt die Krone an seine Gattin. Die Oper endet mit dem Treueschwur des Volkes gegenüber der neuen Herrscherin. 

Die nahezu unbekannte Urfassung dieser 1844 in Mailand uraufgeführten lyrischen Tragödie Gaetano Donizettis war am vergangenen Wochenende im Rahmen des 14. Festivals „Klangvokal Dortmund“ als konzertante Aufführung im Konzerthaus Dortmund zu hören. Der Rundfunkchor und das Funkhausorchester des Westdeutschen Rundfunks sowie namhafte Solisten präsentierten unter der Leitung Giacomo Sagripantis einen außergewöhnlichen Stimm- und Musikgenuss. Allen voran Roberta Mantegna, die die Tragik der jugendlichen Caterina klangvoll, mit warm grundiertem, zart vibrierendem Stimmklang und lupenreinen, in der Höhe zurückgenommenen Spitzentönen vor Augen führte. Dmitry Korchak verkörperte den Liebhaber Gerardo mit zartem Schmelz und tenorialer Träne und versprühte zugleich als Ritter, vom Publikum spontan umjubelte, dramatische Strahlkraft. Gérman E. Alcántara übernahm kurzfristig die Rolle Lusignanos für den indisponierten Davide Luciano. George Andulgadze strahlte dramatisch dunkel als intriganter Mocenigo.

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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