> > > > > 01.04.2006
Montag, 29. November 2021

Nikolaus Harnoncourt, eMusici.com GmbH

Lucerne Festival Ostern eröffnet mit Harnoncourt

Mit Mozart amüsieren

Mit dem von Mozart geschriebenen ersten Teil des geistlichen Singspiels ‘Die Schuldigkeit des ersten Gebots’ KV 35 eröffneten die diesjährigen Osterfestspiele des Lucerne Festival. Nicolaus Harnoncourt am Pult des Concentus Musicus Wien leitete das überaus lautere wie dramatisch angelegte Konzert, das unkonventionell mit einem live Kurzinterview des Deutschschweizer Radio DRS 2 (zum fünfzigjährigen Jubiläum des Senders moderiert von Annelis Berger, Sendetermin: 9. April 20 Uhr) begann, bei dem der Star-Dirigent sich humorvoll-verblüfft über die Fähigkeiten des erst 11-jährigen Komponisten äußerte. Als Solisten sangen die hervorragende Juliane Banse (Barmherzigkeit) und die kecke Patricia Petibon (Weltgeist), die solide Elisabeth von Magnus (Gerechtigkeit), sowie der stimmlich gesegnete Rainer Trost (Christgeist) mit dem wunderbar naiven Klaus Florian Vogt als Christ. Trost war für Werner Güra, Vogt für Christoph Genz eingesprungen, die sich beide krank gemeldet hatten. Dennoch gab es überhaupt keine qualitativen Einbußen, weil sowohl Vokalquintett wie Orchester in perfekter Form aufliefen.

Der Text des Singspiels stammt von Ignatz Anton Wisser, einem Salzburger Rats- und Handelsherren, der ab 1772 als Bürgermeister der Stadt an der Salzach wirkte. Vor allem wollte er ‘die Sinne ergötzen und das Gemüt nützlich unterhalten’, wie er im Textbuch anmerkt, was auch rund 240 Jahre nach der Uraufführung in der Salzburger Residenz in Luzerns großem KKL formidabel gelang. Die Akustik dort ist einfach umwerfend und gehört zum Besten, was Säle dieser Größenordnung bieten können.

Schon die einleitende Sinfonia zeigte den Concentus Musicus drahtig und mit Spaß an der Sache. Die erste Arie gehörte Rainer Trost, der dramatisch zeichnete und mit warmem Ton betörte. Juliane Banse schloss sich an und sang mit Glut die Löwen-Arie. Geschickt erkor sie den B-Teil der Arie zum retardierenden Moment und kontrastierte so gelungen zum im A-Teil ‘brüllenden Löwen’. Interessant wie es Mozart hier schon gelingt, mittels der Hörner eine Wald und Jagd-Szenerie aufzustellen. Erfahren und abgeklärt wirkte der Auftritt der Wienerin Elisabeth von Magnus. Ihre Arie war von edler Schönheit und Ebenmaß gekennzeichnet. Harnoncourt ermunterte sein Orchester hier zu betörenden Charakterwechseln (‘Es rufet Höll und Tod…’) und erlesener dynamischer Feinabstufung.

Klaus Florian Vogt gefiel sich als kleiner ‘Belmonte’, der schon in der Figur des ‘Christ’ angedeutet scheint. Besonders sein naiver Sprechgesang in seinem ersten Auftritt regte das Publikum zum Schmunzeln an, dass auch bald lachen musste, als Weltgeist Patricia Petibon (mit Hütchen) ihre Fittiche ausstreckte. Ihr furioser Koloratursopran in Arie Nummer vier überwältigte schier.
Harnoncourt hatte schon in seinem Interview auf die Einzigartigkeit der Christ-Arie mit Soloposaune in der Literatur hingewiesen. Die Ausführung geriet zum Leckerbissen und bewies die hohe musikalische Korrespondenzbereitschaft der Akteure. Ebenso hinreißend die mit Flötenklängen ausgeschmückte Aria Nr.6.

Alles in Allem ein vortreffliches Amüsement bei diesem Eröffnungskonzert vom Lucerne Festival, das Apetit auf das Kommende macht.

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Kritik von Manuel Stangorra

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Lucerne Festival: Mozart: Die Schuldigkeit des ersten Gebots

Ort: Kultur- und Kongresszentrum (KKL),

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Nikolaus Harnoncourt (Dirigent), Concentus Musicus Wien (Orchester), Juliane Banse (Solist Gesang), Elisabeth von Magnus (Solist Gesang), Rainer Trost (Solist Gesang), Klaus Florian Vogt (Solist Gesang)

Detailinformationen zum Veranstalter Lucerne Festival

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