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Samstag, 25. Juni 2022

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Manfred Honeck dirigiert Bruckner, Copyright: Tobias Hase

Manfred Honeck dirigiert Bruckner, © Tobias Hase

Die Münchner Philharmoniker und Manfred Honeck

In bester Tradition

Valery Gergiev ist nicht mehr Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Das ist inzwischen hinlänglich bekannt und medial ausgiebig diskutiert worden – Zeit, dass die Musik endlich wieder das Wort hat. Drei Konzerte finden in dieser Woche in der Isarphilharmonie statt, die Programme wurden nicht geändert, Manfred Honeck ist an Gergievs Stelle für die Aufführung von Bruckners Symphonie Nr. 8 c-Moll WAB 108 eingesprungen. Die Geschichte von der vernichtenden Kritik Hermann Levis nach dessen erster Durchsicht der Partitur ist bekannt und führte – mal wieder – zu einer eingehenden Umarbeitung, gespielt wird die heute größtenteils gängige 1889/1890er-Fassung.

Edles Timbre

Aus sonoren Basstiefen erhebt sich der erste emotionale Ausbruch, Honeck achtet von Anfang an auf die Dosierung, um mit der dynamischen Tür nicht gleich ins Haus zu fallen. Filigrane Holz- und Streichersphären kommunizieren im zweiten Thema, etwas drohender könnten sich zwischenzeitlich düstere Bass-Figuren aufbauen, Pizzicato-Stellen könnten ein wenig plastischer artikuliert werden. Über sanften Streicherwolken schweben bis auf eine minimale Unebenheit edel timbrierte Hörner. Herauszuheben an der Soloflöte: Michael Martin Kofler. Eindringlich tickt die programmatische Uhr der Coda. Feine Streicherblitze durchzucken den Beginn des „Scherzo“, überragend agogisch an- und später auf die perkussive Spitze getrieben von Guido Rückel an den Pauken. Makellos intoniert sind die Horn-Rufe, aus ihren Reihen ragt Bertrand Chatenet heraus. „A Harf´n g´hert in ´ka Symphonie“ war Bruckners Instrumentierungs-Credo bis dahin gewesen, in der „Achten“ macht er die berühmte Ausnahme, etwas mehr klangliches Profil könnten sie hier erhalten.

Besondere Tradition

Um spezifische Vergleiche kommt man bei so geballter Bruckner-Tradition der Philharmoniker nicht herum. Begründet wurde sie schon Anfang des 20. Jahrhunderts unter Ferdinand Löwe, selbst noch Bruckner-Schüler und unermüdlicher Verfechter seines Oeuvres. Sergiu Celibidaches teils aufreizend langsame Tempi sind und bleiben bis heute eher gewöhnungsbedürftig, für seine Anhänger haben sie dennoch Kultstatus. Fraglos großes Bruckner-Format hatte der vor noch nicht allzu langer Zeit vorgelegte Zyklus aus St. Florian unter Gergiev. Dessen dynamische Abstufungen waren in den ersten beiden Sätzen teils differenzierter als bei Honeck, ihm gelingt demgegenüber das expressivere „Adagio“. Samtiges Streicher-Pianissimo steigt in himmlische Höhen auf, akribisch trägt Honeck klangfarbliche Schichten auf. Seine langen Konzentrationsphasen zwischen den Sätzen machen sich bezahlt, das Orchester wirkt über die gesamte Distanz fokussiert, auch in Bruckners längstem Symphoniesatz überhaupt entstehen keine gefühlten Längen. Generalpausen lässt er gebührenden Raum zum Atmen. Ein wenig inniger könnte der Dialog zwischen Horn und Streichern ausfallen, ansonsten herrschen feine Blech-Schattierungen bis in charakteristische Farben der Wagner-Tuben.

K.& k. Finale

Kaiser Franz Joseph I. hat Bruckner die Symphonie gewidmet, ein historisches Kaisertreffen soll Bruckner beim Beginn des Finales im Sinn gehabt haben. In majestätischem „k. & k.“-Glanz strahlen passend dazu die kernigen Tuba- und Posaunen-Fanfaren. Honeck verliert musikalisch nie den roten Faden, Kontrapunktik im Fugato hat absolute Klarheit. Bruckners thematische Arbeit ist komplex, in der Durchführung des Kopfsatzes legt er erstes und zweites Thema übereinander, zum Abschluss erklingen die Hauptmotive aller vier Sätze simultan. Bei Honeck hat all das scharfe Konturen. Alles andere als eine Verlegenheitslösung, viel Jubel für eine „Achte“, die sich mit Gergievs Bruckner-Großtaten ohne Weiteres messen kann. Der Abend unterstreicht zudem: Bruckner in München gehört akustisch in diesen Saal – zumindest solange, bis das neue Konzerthaus steht.

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Kritik von Thomas Gehrig



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Münchner Philharmoniker : Manfred Honeck

Ort: Isar-Philharmonie,

Werke von: Anton Bruckner

Mitwirkende: Manfred Honeck (Dirigent), Münchner Philharmoniker (Orchester)

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