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Mittwoch, 29. Juni 2022

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Elbphilharmonie Hamburg, Copyright: Sarahhoa

Elbphilharmonie Hamburg, © Sarahhoa

Gilbert dirigiert Copland, Barber und Korngold

Amerikanische Reise

Einen faszinierenden Abend durfte man im Großen Saal der Elbphilharmonie zum Auftakt des kleinen Festivals „The Age of Anxiety“ mit Werken aus der Feder amerikanischer Komponisten erleben. Unter Leitung seines New Yorker Chefdirigenten Alan Gilbert präsentierte das Orchester des Norddeutschen Rundfunks gleich vier Werke, von denen einige nur selten auf der Bühne zu hören sind. Denn auch wenn etwa Aaron Coplands (1900-1990) Sinfonie Nr. 3 zu den populäreren Werken des Komponisten aus Brooklyn zählt, ist diese groß besetzte Sinfonie in bester Mahler-Nachfolge auf deutschen Bühnen vergleichsweise selten zu hören. Doch man musste nicht erst auf die berühmte Blechbläserfanfare mit reichlich Schlagwerk zu Beginn des Finales warten, um zu hören, wie viel geballte musikalische Moderne und Komplexität hier drinsteckt. Dank Gilberts klar ordnender Leitung blieb der von hellen Klangfarben durchflutete Viersätzer von Anfang bis Ende nicht nur wunderbar zugänglich, sondern entfaltete auch eine packende Ansteckungskraft, die sich am Schluss in Standing Ovations niederschlug. Diese waren auch der nicht geringen Anzahl an plastisch gespielten, subtil in den Gesamtverlauf eingebetteten Soli zu verdanken, allen voran die Flöten. Wieder einmal wurde unter Gilbert deutlich, zu was für beeindruckenden Leistungen der Klangkörper in seinem mittlerweile fünf Jahren alten ‚Wohnzimmer‘ in der Lage ist. So bombastisch der Abend mit Copland endete, mit so großem affirmativ ‚amerikanischen‘ Gestus begann er mit Copland auch. Im rund 15 Minuten dauernden „Lincoln Portrait“ trug der Bass Morris Robinson gleichsam getragen von der Musik und nach ausgedehntem orchestralem ‚Vorspiel‘ Zitate des 16. Präsidenten der USA vor, die sich um Demokratie und Gleichheit aller Menschen drehten. Auch wenn seine Stimme durch ein Mikrofon verstärkt war, besaß Robinsons Vortrag doch eine mitreißende Autorität, die ihresgleichen suchte. So positiv und trompetenhell dieses musikalische Porträt daherkam, so dramatisch und getrübt klang im Anschluss Samuel Barbers (1910-1981) „First Essay for Orchestra“ op. 12, der genau wie alle anderen Programmpunkte in harmonisch tonalen Sphären verblieb, trotz seiner melodiösen Anlage jedoch seine moderne Umgebung nicht verleugnete, und mit klarem Espressivo der Streicher überzeugte. Überhaupt wurde an diesem Abend deutlich, dass der Unterschied zwischen E und U, absoluter Musik und Filmmusik bei weitem nicht so klar sein muss, wie es in Europa lange Zeit propagiert wurde und immer noch wird. Das Paradebeispiel an diesem Abend war das Violinkonzert in D-Dur von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) mit einem feurig aufspielenden Leonidas Kavakos. Auf seiner Stradivari gelang es Kavakos, die Korngolds Filmmusiken entstammenden Themen mit viel warmen Schmelz zu gestalten und das abschweifende, deutlich modernere Figurenwerk mit virtuosem Witz zu präsentieren. Schwindelerregend virtuos ging es auch in seiner den Klang der Zither imitierenden Zugabe zu, Francisco Tárregas „Recuerdos de la Alhambra“.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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NDR Orchester: Alan Gilbert

Ort: Elbphilharmonie,

Mitwirkende: Alan Gilbert (Dirigent), NDR Elbphilharmonie Orchester (Orchester)

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