> > > > > 12.02.2022
Samstag, 2. Dezember 2023

Philharmonischer Chor München, Münchner Philharmoniker, Solisten, Philippe Herreweghe, Copyright: Tobias Hase

Philharmonischer Chor München, Münchner Philharmoniker, Solisten, Philippe Herreweghe, © Tobias Hase

Die Münchner Philharmoniker mit Mozart

Strahlendes ewiges Licht

Ein reines Mozart-Programm spielen die Münchner Philharmoniker aktuell in der Isarphilharmonie. Zu Gast am Pult ist Philippe Herreweghe, der sich – u.a. mit seinem Collegium Vocale Gent – einen bedeutenden Namen als Originalklangexeget gemacht hat. Sein Repertoire-Horizont bleibt dabei keineswegs im 17. und 18 Jahrhundert stehen, auch Brahms und Mahler hat er sich in seiner Vielseitigkeit schon genähert.

Auf „Speed“

Bereits in der D-Dur-Symphonie KV 504 („Prager“) zeichnet sich ein Merkmal ab, das sich als roter Faden durch den Abend zieht: Herreweghe schlägt relativ rasche Tempi an, der „Adagio“-Einleitung nimmt er dadurch etwas die innere Spannung. Dafür ist das Klangbild schon hier wie im weiteren „Allegro“-Verlauf transparent bis in hell durchscheinende Flötenstimmen und leuchtendes, dabei angenehm unaufdringliches Blech. Herreweghe phrasiert vital und beweglich, bis auf einen verrutschten Trompetenton zum Ende der Exposition ist da alles organisch musiziert. Dazu überrascht er mit einer Wiederholung der Durchführung, polyphone Proportionen sind präzise. Das „Andante“ nimmt er wiederum im Eiltempo, konzentrierte Spannungsmomente kreiert er trotzdem. Zum „Presto“ passt sein rasantes Tempo gut, hier erzeugt er eine glimmende Intensität, die bei aller Geschwindigkeit klare Linien bis in galoppierende Fagott-Figuren behält. Dringliches Musizieren „auf Speed“.  

Verzehrende Flammen

Mozarts Requiem KV 626 ist bis heute umrankt von Spekulationen und Mythen, Vervollständigungen des Fragments sind verschiedentlich vorgenommen worden. Herreweghe und die Philharmoniker spielen die traditionelle Süßmayr-Fassung. Auch im „Introitus“ herrscht eine betont zügige Gangart, ein „Adagio“ ist das nicht mehr. Das agogisch durchgedrückte Gaspedal wirkt sich auch auf anderer Ebene nachteilig aus: Die Synchronisation mit Chor und Singstimmen benötigt etwas Anlaufzeit, anfangs eilt das Orchester immer wieder einen Tick voraus. So kommen auch die polyphonen Einsätze im „Kyrie“ nicht immer exakt. Erst ab Mitte der Sequenz sind Chor und Orchester vollends dauerhaft beieinander. Unter zu schnellen Tempi leiden auch das „Recordare“ und das „Benedictus“, Kantilenen können sich hier nicht in Ruhe entfalten. Einen musikalisch mitreißenden Sog erzeugt das Fegefeuer des „Dies Irae“, hier geht Herreweghes zupackender Ansatz mit massiven dynamischen Wellenbewegungen ebenso auf wie in den verzehrenden Flammen des „Confutatis“. Im „Salva me“ und dem „Voca me“ wären zartere klangliche Abstufungen möglich. Vom ersten Einsatz an („Te decet hymnus“) begeistert Hanna-Elisabeth Müllers schlank phrasierender Sopran, mit hellen Spitzentönen lässt sie das ewige Licht („Lux aeterna“) leuchten. Eva Zaïciks Mezzo-Timbre verströmt kantable Wärme, Tareq Nazmis voluminöser, beweglicher Bass (z.B. „Tuba mirum“) überzeugt auf ganzer Linie. Auch Mauro Peter singt eine solide Tenor-Partie, lediglich kurzzeitig klingt seine Stimme ein wenig gepresst. Auch die Interaktion der Solisten (z.B. „Recordare“) gelingt gut. Bestens aufgelegt ist der von Andreas Herrmann einstudierte Philharmonische Chor München, das zeigt sich etwa im erhaben strahlenden „Sanctus“, den kraftvollen „Quam olim Abrahae“-Einwürfen oder den subtilen Pianissimo-Sphären und Crescendi des „Lacrimosa“.

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Kritik von Thomas Gehrig



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Münchner Philharmoniker: Philippe Herreweghe

Ort: Isar-Philharmonie,

Werke von: Wolfgang Amadeus Mozart

Mitwirkende: Philharmonischer Chor München (Chor), Philippe Herreweghe (Dirigent), Münchner Philharmoniker (Orchester), Tareq Nazmi (Solist Gesang), Mauro Peter (Solist Gesang)

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