> > > > > 28.01.2022
Mittwoch, 29. Juni 2022

Probenfoto Seven Stones, Copyright: Vincent Pontet

Probenfoto Seven Stones, © Vincent Pontet

Deutschlandpremiere der Oper "Seven Stones"

Ein Stein sagt mehr als tausend Worte

Er ist ein ungewöhnlich experimentierfreudiger, vielseitiger Instrumentenbauer, Künstler, Dirigent und Komponist. Höhepunkt des Formats „Zeitinsel“, in dem das Konzerthaus Dortmund den Künstler vorstellt, ist die Deutschlandpremiere der Kammeroper „Seven Stones“ von Ondřej Adámek und Sigurjón Birgir Sigurðsson. Im Festivaljahr 2018 wurde sie in Aix-en-Provence uraufgeführt. 

„Seven Stones“ ist eine tragische Kammeroper, vor allem für das Instrument Stimme. Sie erzählt, gestaltet, komponiert mit Sprache, ist Windmaschine und eisige Kälte, formt die Zeit oder den Harmonie- und Rhythmusteppich für Tango Argentino. In immer neuen Formationen und kleinen Szenen finden Dirigent Léo Warynski und die 16 Sänger zusammen, um die mysteriöse Geschichte eines verwirrten Mineralogen zu erzählen. 

Normalerweise sorgen Orchestermusiker aus dem Graben für die klanglich-atmosphärische Untermalung. Hier sind es vor allem die homogen und ausdrucksstark agierenden, virtuosen Sänger auf der Bühne. Halbszenisch führen sie unterschiedliche Schauplätze vor Augen, sind Bühnenbild, Personencharakterisierung und dramatische Entwicklung in eins. Und außerdem spielen sie zusätzlich die die dramatische Entwicklung unterstützenden, mitunter das Geschehen kommentierenden oder konterkarierenden, für eine Tragödie ungewöhnlichen Instrumente wie z.B. Steine, Trommeln, Gongs, geräuschhafte, lateinamerikanische Perkussionsinstrumente, singende Sägen, ein hängender Lampenschirm mit Metallspeichen, Kazoo, Luftpumpen, Weingläser, selbstgebaute Saiteninstrumente auf fahrbaren Untersätzen oder eine von zwei Sängerinnen gespielte Querflöte. Dabei wechselt die Wirkung zwischen komisch verspielt und tragisch grotesk.

Sigurjón Birgir Sigurðsson, der das Libretto schrieb, erzählt die Liebesgeschichte eines umfassend forschenden, zunehmend verwirrten Mineralogen, der nach jahreslanger Abwesenheit seine Frau in den Armen eines anderen Mannes findet, ihn tötet und dann erkennen muss, dass es sein eigener Sohn war. Welch eine Tragik! Erzählt wird im Rückblick.
Mal ist es die Ehefrau - anschaulich interpretiert von Landy Andriamboavonjy - , die anfangs fasziniert später besorgt die Persönlichkeitsveränderung ihres Mannes beobachtet, ihn warnt. Mal sind es zwei Erzählerinnen, die berichten, mal steht er selbst im Vordergrund - einsam und eingenommen, verbissen auf den Forschungsgegenstand einhämmernd, mit seinem Schicksal hadernd. Und Nicolas Simeha weiß, anrührend, einfühlsam und ausdrucksstark die Tragik des Protagonisten vor Augen zu führen. Dabei führen ihn die Steine und ihre Fundorte in die Welt mit ihren fremden, faszinierenden, kulturellen Besonderheiten. Musikalisch fließen diese Erinnerungen  als Tango-Argentino-Fragmente, Blues-Shouting, barocke Passionsausschnitte bzw. buddhistische Rituale ein. 

Eingenommen von fremden und vertrauten Klangwelten und häufigem Szenenwechsel verharrte das Publikum am Ende in gefühlt minutenlanger Stille. 

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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