> > > > > 31.05.2022
Samstag, 25. Juni 2022

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Elbphilharmonie Hamburg, Copyright: Sarahhoa

Elbphilharmonie Hamburg, © Sarahhoa

Mäkelä dirigiert Sibelius

Hell und Dunkel

Zerfasernde, tonal unbestimmte Streicherspuren ins Nichts versus triumphale Tutti-Gesten in Dur. Schon an den Schlusstakten erkennt man, wie sehr die Vierte Sinfonie in a-Moll und die Zweite Sinfonie in D-Dur von Jean Sibelius (1865-1957) auseinandergehen. Dabei liegen zwischen beiden Werken nur knapp zehn Jahre und eine neoklassizierende Dritte. Umso reizvoller war es, dass diese beiden Werke am zweiten Abend des Sibelius-Zyklus mit dem Oslo Philharmonic Orchestra unter Klaus Mäkelä in der Hamburger Elbphilharmonie gegenübergestellt wurden. Wenig verwunderlich, dass der junge Finne sich mit "seinen" Norwegern in beiden Werken pudelwohl fühlte und deren Eigenarten mustergültig zum Vorschein brachte. Wie tief Mäkelä dann in die dunklen Bizarrerien und geisterhaften Verläufe der Vierten eintauchte, um deren innere Logik, krisenartige Resignation und originelle Syntax zu entschlüsseln, erstaunte dann aber doch. Schon bei ihrer Uraufführung soll die a-Moll-Sinfonie auf Befremden und Unverständnis gestoßen sein, ist sie doch eines von Sibelius‘ modernsten Werken. Unter Mäkelä klang vor allem das Finale wie ein scherzhafter Weihnachtsspuk mit Glockenspiel, der gut und gerne auch eine alternative Nachtmusik aus Mahlers Siebter hätte sein können. Dank der luziden Gestaltung vor allem der Streicher, wirkt das alles so zwingend als könnte es gar nicht anders sein. Besonders hervorzuheben sind hier die dunkel schattierten Gesänge des Kopfsatzes im Solo-Cello (Louisa Claire Tuck). Doch auch im Largo, dem Herzstück der Sinfonie, entwickelte sich das sukzessiv erst entstehende Thema mit all seinen Zwischenstationen in den Orchestergruppen mit einer traumwandlerischen Sicherheit, die verblüffen ließ (nur einen krassen Ausreißer gab es einmal im Tutti von der ansonsten großartigen Klarinette). Dank der hellhörigen Akustik des Großen Saales kam der Ensemblecharakter der a-Moll-Sinfonie ebenfalls wunderbar zum Vorschein, der nur ab und zu in orchestrale Ausbrüche mündete.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Oslo Philharmonic: Klaus Mäkelä

Ort: Elbphilharmonie,

Werke von: Jean Sibelius

Mitwirkende: Oslo Philharmonic Orchestra (Orchester)

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