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Dienstag, 9. August 2022

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Solist Leonidas Kavakos, Copyright: Markus Schlaf

Solist Leonidas Kavakos, © Markus Schlaf

Die Münchner Philharmoniker am Odeonsplatz

Unverbrauchte Frische

Auf das identische Datum wie 2021 fiel der diesjährige Termin für die seit 2000 etablierte Open-Air-Reihe „Klassik am Odeonsplatz“. Einen wesentlichen Unterschied gab es aber: Im Gegensatz zur pandemiebedingt stark verkleinerten Vorjahresauflage konnte wieder vor voll besetzten Rängen gespielt werden. War der Vorverkauf zu Jahresbeginn noch sehr zögerlich angelaufen, waren letztendlich doch alle Eintrittskarten Wochen vorher vergriffen. Alljährliches großes Thema: Das Wetter - bei angenehm milden Temperaturen blieb es am Freitag komplett trocken. Die Münchner Philharmoniker eröffneten das Wochenende, nach der sattsam bekannten und hinlänglich diskutierten Demission von Chefdirigent Valery Gergiev werden derzeit verschiedene Zukunftsmodelle in Erwägung gezogen. Schnellschüsse soll es nicht geben, bis in sechs Monaten soll die Entscheidung feststehen. Am Samstagabend stand Daniel Harding am Pult. Ob er ein ausgemachter Testkandidat ist? Vakant wäre er jedenfalls.  

Temposchwankungen

Das ursprüngliche Programm blieb unverändert, kein Geringerer als der große Leopold Auker hatte Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur op.35. für unspielbar erklärt, statt des ursprünglichen Widmungsträgers übernahm schließlich Adolph Brodsky den Solopart bei der Uraufführung der Orchesterfassung. Über die technischen Anforderungen sagt diese Begebenheit einiges aus. Solist des Abends vor der malerischen Kulisse rund um die Feldherrenhalle war Leonidas Kavakos, nicht die beste solistische Figur machte er zu Beginn. Temposchwankungen und Intonationsprobleme ließen ihn im ersten Satz nicht immer sicher wirken. In der „Canzonetta“ fehlte es seinem Spiel an beseelter Innigkeit. Wie man diesen Satz mit emotionalem Leben füllt, hatte gleich nebenan im Herkulessaal der Residenz unlängst Janine Jansen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunkts vorgeführt. Am besten gelang Kavakos das „Finale“, hier überzeugten sein spielfreudiges Temperament und sein rhythmischer Pulsschlag. Auf eine Zugabe hoffte man leider vergeblich. Die insgesamt aussagekräftigere Visitenkarte gaben die Philharmoniker unter Harding ab, energische Impulse und ein scharf geschnittenes Holzbläserprofil überzeugten ebenso wie ein feines Streichergewebe.

Tontechnisches Meisterstück

Dieser Eindruck setzte sich fort in Antonin Dvořáks Symphonie Nr. 9 e-Moll op. 95, nicht zuletzt in deren Bekanntheit liegt die Tücke des musikalischen Objekts. Unter Harding behielt der "Blockbuster" aber eine wohltuend unverbrauchte Frische, emotionale Wucht und filigranes Pianissimo im „Adagio“ erhielten das richtige Gewicht, Harding nahm dynamisch zielgerichtete Anläufe. Mit Bravour erledigten Englischhorn und Flöte ihre solistischen Aufgaben. Allein dem Schlusssatz fehlten ein paar Prozent Impulsivität. Zugabenfreudig zeigt sich dann noch das Orchester.
Mit elegischer Innigkeit spielen die Philharmoniker Dvořáks "Slawischen Tanz" op. 72/2, spritzig akzentuiert Johann Strauß' "Tritsch-Tratsch-Polka". Ein Sonderlob verdiente sich daneben die Tontechnik: Zu hohe Ansprüche an akustische Authentizität darf man bei „Open Airs“ normalerweise nicht stellen. Was hier an klanglicher Transparenz und Aussteuerung geleistet wurde, dürfte das Beste sein, was man derzeit im Freiluftbereich finden kann.

Kritik von Oliver Bernhardt

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Münchner Philharmoniker: Leonidas Kavakos

Ort: Odeonsplatz,

Werke von: Peter Tschaikowsky, Antonín Dvorák

Mitwirkende: Daniel Harding (Dirigent), Münchner Philharmoniker (Orchester), Leonidas Kavakos (Solist Instr.)

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