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Freitag, 19. August 2022

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Dirigent Lahav Shani, Copyright: Hans van der Woerd

Dirigent Lahav Shani, © Hans van der Woerd

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra mit Seong-Jin Cho in Dortmund

Ein Publikumsliebling neu entdeckt

Dass die Ausnahmekünstlerin Yuja Wang, die aktuelle "Artist-in-Residence"-Solistin des Rotterdam Philharmonic Orchestra, angesichts der hohen Inzidenzen, der neuen Coronavirus-Variante und bestehender Reisebeschränkungen die USA nicht verlassen und nach Europa reisen konnte, ist nur allzu verständlich. 

Auch das Rotterdam Philharmonic Orchestra hat zum Schutze seiner Künstler die bestehenden Konzerttermine der Deutschlandtournee abgesagt. Bis auf das Konzert in Dortmund, das nun unter der Leitung Lahav Shanis mit dem Pianisten Seong-Jin Cho stattfand. Der 27-Jährige verzauberte das Publikum mit konzentrierter Poesie und Virtuosität gleichermaßen und mit einem wirkungsvollen Publikumsliebling, dem 1875 in Boston uraufgeführte Konzert für Klavier und Orchester Nr.1 b-Moll von Peter Iljitsch Tschaikowski. Schade, dass das eigentlich ausverkaufte Konzerthaus nicht voll besetzt war. 

Schon im ersten Satz zeigte Seong-Jin Cho seine Vielseitigkeit - ob er in der Introduktion mit mächtigen Akkorden das schwungvolle Thema übernahm oder rhythmisiert begleitete oder das eigentliche, triolische Thema des ersten Satzes tänzerisch-verspielt vor Augen führte oder - eigene Akzente setzend die Poesie des ruhigen, gesanglichen Seitenthemas aufgriff und ausgestaltete. Wunderbar, mit welch konzentrierter, gespannter Aufmerksamkeit Solist und Orchester die Übergänge inszenierten, das Orchester ebenso solistisch, also homogen, differenziert und ausdrucksstark interpretierte, sodass ein faszinierendes Konzertieren gleichberechtigter Dialogpartner entstand. Von einer liedhaften, schlichten Melodie getragen, kehrte im zweiten Satz zunächst beschauliche Ruhe ein, bevor Seong-Jin Cho das Publikum erneut, dieses Mal mit im Pianissimo erklingenden virtuosen Passagen, verzauberte. Nach wirbelnder Steigerung, Kadenz und Reprise klang, ja hauchte sich der Satz in immer leiser werdenden, arpeggierten Akkorden aus. Ebenso transparent, ausdrucksdifferenziert, kontrast- und temporeich folgte das abschließende Rondo. Drei unterschiedliche Charakterthemen wechseln in dramatischer Steigerung, vom Klavier in donnerndem Oktav-Martellato zum Höhepunkt geführt. Mit einer kleinen, von gesanglicher Schlichtheit getragenen Zugabe beendete Seong-Jin Cho den virtuosen, romantischen Rausch. 

Lahav Shani, seit 2018 Chefdirigent des Rotterdam Philharmonic Orchestra und Sergej Rachmaninows 1940 komponiertes, letztes Werk „Sinfonische Tänze“ bildeten den zweiten Teil des Konzertnachmittages. Brillant, wie Shani ohne Taktstock und Partitur die homogen und transparent dargebotene Tempo-, Dynamik-, Ausdruck- und Farbenvielfalt lebendig und spannungsreich vor Augen führte, wie Hände- und Körperbewegungen die Kontraste und Dramatik unterstreichen, wie das Orchester transparent und homogen die unterschiedlichen Spielweisen zelebriert. Ob tänzerisch leicht und federnd, oder sich in donnernden, dissonant geschärften Akkordschlägen ergießend - Rachmaninows Sinfonische Tänze erinnerten an eine spannend und lebendig dargebotene Oper, an die Sinfonie fantastique eines Künstlerlebens, aber eben à la Rachmaninow.

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Kritik von Ursula Decker-Bönniger

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Rotterdam Philharmonic Orchestra - Yuya Wang: Sinfoniekonzert

Ort: Konzerthaus,

Mitwirkende: Lahav Shani (Dirigent), Rotterdam Philharmonic Orchestra (Orchester), Seong-Jin Cho (Solist Instr.)

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