> > > > > 26.03.2022
Samstag, 2. Juli 2022

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Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Gabriela Scherer (Elsa), Copyright: Kirsten Nijhof

Klaus Florian Vogt (Lohengrin), Gabriela Scherer (Elsa), © Kirsten Nijhof

Wagners Lohengrin an der Oper Leipzig

Schwert und Pistole

Endlich. Die Oper Leipzig feierte am letzten Märzwochenende die Premiere der Wagner Oper „Lohengrin“. Der Komponist nannte sie eine „romantische Oper“. Was ist romantisch? Wieviel Romantik steckt in der Neuinszenierung vom Team um Patrick Bialdyga? Denn diese hinterlässt viele Fragen und steckt voller Ungereimtheiten. Das Stechen, Hauen, Schwert- und Pistolenfuchteln in der neuen Ansicht des Werkes lenken von der eigentlichen, wahren Geschichte um Liebe, Verrat und Treu ab.

Und doch: die Inszenierung von Patrick Bialdyga bot so manche Überraschung. Telramund, schön gesungen von Simons Neal, war blind und bewegte sich mühevoll mit einem Blindenstock. Das stellte szenisch ganz entschieden den Zweikampf mit Lohengrin in Frage. Elsa (Gabriela Scherer) erkannte schon zu Beginn der Oper, dass sich „Lohengrin“ als ihr Retter naht und war deswegen von Anfang an im Brautkleid auf der Bühne. Lohengrin, huldvoll gesungen von Klaus Florian Vogt, brachte einen Schwan in einer Kugel ins Geschehen. Der Schwan verlor im späteren Verlauf sein Gefieder. Denn aus dem Bühnenhimmel schwebten seine weißen Federn herab. Auch der Heerrufer musste extrem ungewöhnlich agieren. Mit einer von Ortrud ins Spiel gebrachten Pistole bedrohte er Elsa lebensgefährlich. Dies muss eindeutig wie ein Kidnapping interpretiert werden. Mit dieser Waffe erschoss er zum Ende die sehr, sehr neugierige und extrem aufdringliche Ortrud. Warum er die Waffe auf Gottfried, den verlorenen Bruder Elsas richtete, erschloss sich dem Zuschauer nicht.

Auf der Bühne standen drei lange Tische, die je nach Bedarf und Szene umgestellt wurden. So wurden die einzelnen Spielorte der Oper bestimmt. Im Hintergrund gab es über die gesamte Breite der Bühne einen abgedunkelten Käfig. In diesem war der Chor untergebracht und dort musste das gesamte Chorensemble auf die Auftritte und Einsätze warten. In den Momenten, wenn eigentlich eine Präsenz in dem Geschehen hätte stattfinden sollen, saßen sämtliche Mitglieder gelangweilt auf Campingstühlen. Der „Lohengrin“ ist für die eindrucksvollen Auftritte des Chores bekannt und beliebt. In dieser Inszenierung spürt der Premierenbesucher recht wenig davon. 

Für die Bühne zeichnet sich Norman Heinrich verantwortlich. Die Kostüme stammten von Roy Böser und Jennifer Knothe. Ein spartanischer Bühnenraum zu unaufgeregten Kostümen passen zum Regiekonzept, aber für den Chor hätte man sich die Kostüme sparen können, denn der war ja kaum zu sehen. Dass der Chor trotz der unglücklichen Szene stark und perfekt einstudiert war, ist Chorleiter Thomas Eitler-de Lind zu verdanken.

Mit Klaus Florian Vogt als Lohengrin war diese Partie vorzüglich gut besetzt. Stimmlich und darstellerisch ist er Garant für einen gelungenen Opernabend. Vogt versteht es mit seiner knabenhaft wirkenden Stimme mühelos und sicher die Partie zu gestalten. Sehr beeindruckend und mit Freude in der Gralserzählung zu erleben. Gabriela Scherer bestach als Elsa mit ihrem wohlklingenden Sopran. Ihr Timbre verlieh der Partie den erforderlichen Ausdruck. Leider überlagerte das Orchester ihre Stimme. Als eindringlich guter Heerrufer war Matthias Hausmann zu erleben. Diese Inszenierung deutet seine Rolle als differente Person. Mal ist der Heerrufer unscheinbar, dann ein aus dem Hintergrund agierender Bösewicht. Kathrin Göring war die Ortrud an diesem Abend. Sie ist Ensemblemitglied und für Ihre Bühnenpräsenz und Spielleidenschaft bekannt, wirkte an diesem Abend allerdings stimmlich angeschlagen. König Heinrich (Günther Groissböck) war hellwach präsent und gestaltete die Partie sicher, sein Bass ist wohlklingend und groß.

Das Gewandhaus-Orchester unter der Leitung von Christoph Gedschold war im klugen Einklang mit der Szene und faszinierte mit einem ausgefüllten Klang. Überraschend auch die Transparenz einzelne Instrumentengruppen.Schade war, dass die Oper Leipzig trotz einer Premiere nicht gut besucht war. Die Gründe sind wohl auch der Pandemie zuzuschreiben.

Kritik von Manfred Zweck

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Lohengrin: Richard Wagner

Ort: Oper,

Werke von: Richard Wagner

Mitwirkende: Christoph Gedschold (Dirigent), Klaus Florian Vogt (Solist Gesang), Gabriela Scherer (Solist Gesang), Mathias Hausmann (Solist Gesang), Günther Groissböck (Solist Gesang)

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