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Sonntag, 25. September 2022

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Elbphilharmonie Hamburg, Copyright: Sarahhoa

Elbphilharmonie Hamburg, © Sarahhoa

Nagano dirigiert Pärt, Strawinsky und Schumann

Geistige Verbindungen

Zwei Mal Arvo Pärt (1935), einmal Igor Strawinsky (1882-1971) und einmal Robert Schumann (1810-1856). Das vierte Saisonkonzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg unter seinem Chefdirigenten Kent Nagano hatte es in sich. Und mit der Hamburger Fassung von Pärts „Swansong“ aus diesem Jahr war sogar eine Uraufführung dabei, deren inspirierend positiver Impetus in die Sogwirkung entwickelnde Sinfonie in d-Moll Nr. 4 von Schumann hinüberschwappte. Überhaupt zog sich durch diese scheinbar so verschiedenen Werke gleichsam subkutan eine Entwicklung, die von Pärts „Fratres“ bis zum Schlussakkord bei Schumann zu spüren war. So begann dieser Vormittag mit Pärts vergeistigten Arpeggien auf der Solo-Violine des Konzertmeisters Daniel Cho so, als würde die Musik aus dem Nichts entstehen, wie aus einer Keimzelle. Wer jenes berühmte Werk sonst nur für Violine und Klavier kennt, durfte hier in der Fassung mit Streichorchester und Schlagwerk erleben, wie die Farben behutsam neu verteilt wurden – von wispernden Flageoletts in den Violinen bis zu den Liegetönen in den tiefen Streichern und den punktuellen Xyolophonschlägen. Trotz leichter Anfangsnervosität bei Cho gerieten vor allem die Doppelgriffe berührend expressiv, dabei jedoch ganz nach innen gewandt, wie es diese zutiefst spirituelle Musik verlangt. Sehr viel quirliger ging es im Anschluss dann in Strawinskys Konzert für Klavier und Bläser zu, das mit seiner gewitzten Polyphonie, den aberwitzigen Rhythmuswechseln und der hoch komplexen Struktur nicht unterschiedlicher und extrovertierter hätte ausfallen können. Und so hätte man sich vor allem im „Allegro“-Satz von Kent Nagano bei aller klanglichen Schönheit genauso viel Übersicht gewünscht, wie sie der traumwandlerisch sichere Alexei Volodin an den Tag legte. Überhaupt wirkte Volodins Vergnügen an Strawinskys vertrackten Scherzen ansteckend, dies zumal er mit großem Ton so ordnend wirkte, dass man spätestens im zweiten Satz dann ganz zueinander gefunden hatte. Wie sich die Bläsergruppen und der Steinway-Flügel trotz aller rhythmischer Fallstricke im „Stringendo“ einander die Bälle zuwarfen, hatte geradezu etwas Schwindelerregendes. Dass Nagano eigentlich genau der richtige Mann für das 20. und 21. Jahrhundert ist sowie für großbesetzte Werke, zeigte sich nach der Pause dann im meditativ empor- und wieder hinabschwankenden „Swansong“ Pärts, der aufgrund der kurzen Dauer von sechs Minuten zu einer Art Auftakt der Schumann-Sinfonie geriet. Interessanterweise reduzierte Nagano die große Besetzung für Schumanns op. 120 dann nur unwesentlich (immer noch u.a. 7 Kontrabässe), sodass die d-Moll-Sinfonie recht streicherlastig geriet. Dank Naganos ausbalancierter, fließender Gestaltung klang dieser Schumann jedoch so schlank und mitreißend, dass das kaum ins Gewicht fiel. Tatsächlich gelang die Anlage dieser ‚Sinfonie in einem Satz aus vier Teilen‘, aus einer Idee heraus, hier so packend zur Entfaltung, dass man sich unwillkürlich wieder an Pärts „Fratres“ erinnert fühlte. Nur klang dieser Schumann mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg naturgemäß um einiges schwungvoller, sodass der Schlussapplaus lange kein Ende nahm.

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Kritik von Dr. Aron Sayed

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Volodin / Nagano: Pärt / Strawinsky / Schumann

Ort: Elbphilharmonie,

Werke von: Arvo Pärt, Robert Schumann, Igor Strawinsky

Mitwirkende: Kent Nagano (Dirigent), Alexei Volodin (Solist Instr.)

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