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Sonntag, 19. September 2021

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Georg Zeppenfeld, Michael Volle, Stephen Gould, Copyright: Enrico Nawrath

Georg Zeppenfeld, Michael Volle, Stephen Gould, © Enrico Nawrath

Wagners konzertanter Parsifal

Hier wird's Ereignis

Stille, lang anhaltende Stille beherrscht nach dem ersten Aufzug des Bühnenweihfestspiels "Parsifal" den geheiligten, von der Musik und dem Gesang geadelten Ort. Das gab es schon lange nicht mehr in Bayreuth. Die stehenden Ovationen nach fünf huldvoll erfüllten Stunden des Erlebens, einer Magie und musikalische Weltinnenräume durchflutenden ikonischen Aufführung galten Christian Thielemann. Welch' Pianissimi, die fast Atemstillstand evozieren! Welch' feine Zisselierung der Ton- und Melodiestruktur. Welch' überschäumende Kraft aus dem Geiste der Musik zelebriert Thielemann mit dem hochkonzentrierten Bayreuther Festspielorchester. Gnadenvolle Sternstunden, die ein beseeltes Publikum nur einmal erlebt.

Auf der Bühne, auf schwarzen Stühlen wartet verheißungsvoll das Parsifal-Ensemble. Allen voran die Jahrhundert-Kundry von Petra Lang. Als weiblicher Atlas und Sisyphos zugleich trägt sie an Schuld und Leid. Fatal ist, dass Kundry unter dem Kreuz von Jesus über ihn gelacht hat. Dieses schallende Lachen durchzieht den gesamten Parsifal. Lang bringt diesen Augenblick durch Variation ihrer Gesten und des Lachens, das Parsifal verführen will, und im Schluchzen des ‚Dienen, Dienen‘ erstickt, als Leitmotiv in Erinnerung. Eine glutvoll in den Mittellagen und strahlend hämisch in der Höhe aussingende Menschendarstellerin. Stephen Gould ist ein ebenso berührender Parsifal. Mit seiner tenoral dunkel gefärbten Stimme zeigt er den Weg des fehlgeleiteten, unerfahrenen Toren hin zum Weisen mit Strahlkraft ausgestatteten Heroen und Retter des Grals. Klar in tönender Diktion und Textverständlichkeit glänzt Georg Zeppenfeld als standhafter, von geistig wahrer Grösse geleiteter Gurnemanz. Bestechend, sängerisch viral und tiefböse gerät der machtbesessene, lustvoll auftrumpfende Klingsor von Derek Welton. Die Chorszenen des Gralstempels erklingen in einer Liveübertragung mit majestätisch gebündelter Durchschlagskraft. Quirlig und zuckersüss verführerisch bestechen Klingsors Blumenmädchen. Michael Volle ist ein feiner Kavalierbariton-Amfortas und singt diesen tragischen Helden mit der nötigen Portion Pathos. Warum er am Schluss alleine mit Parsifal auf der Bühne verweilt ist nicht schlüssig. Der Titurel, aus dem Off tönend und mit gutturaler Schwärze versehen, wird von Günther Groissböck gegeben. Die geschmackvollen Bildinstallationen von Philipp Fürhofer waren ein Glücksgriff.

Denkwürdige, musikalisch weihevoll inspirierte Augenblicke, die noch lange Erlebnisspuren hinterlassen werden.

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Kritik von Barbara Röder

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