> > > > > 10.08.2021
Sonntag, 14. August 2022

Arcadi Volodos, Copyright: Marco Borrelli

Arcadi Volodos, © Marco Borrelli

Arcadi Volodos bei den Salzburger Festspielen

Pianistische Magie

Zum Klavierspiel kam Arcadi Volodos erst im verhältnismäßig späten Alter von 9 Jahren, erst mit 15 Jahren zeichnete sich eine pianistische Laufbahn überhaupt ab. Man könne sich an seiner alten Musikschule "nicht erinnern, dass er begabter als die anderen gewesen wäre", hat Volodos in einem seiner seltenen Interviews mit Blick auf seine Karriere als "Spätstarter" einmal selbst einen ehemaligen Klavierlehrer zitiert. Seinen Weg in die absolute Weltspitze hat er dennoch gemacht, nun war er im Haus für Mozart bei den Salzburger Festspielen zu Gast.

Spannender Vergleich

Anders als ursprünglich angekündigt fiel das Programm aus, als Fixpunkte blieben dennoch Schubert und Brahms erhalten. Letzterem hatte Volodos schon 2017 ein viel beachtetes Album gewidmet, auf dem auch die Klavierstücke op. 118 enthalten sind. Dass er entsprechend auf „altes“ Repertoire zurückgreift, hat man spätestens in den ersten Takten des a-Moll-Intermezzo vergessen, mit denen er den Hörer immer wieder aufs Neue unweigerlich sofort gefangen nimmt. Den resoluten Eingangsakkorden lässt er klar durchweg plastisch strukturiertes, dynamisch filigran abgestuftes Spiel folgen, dem auch in dichtesten romantischen Klangschichtungen Unzulänglichkeiten im Pedalgebrauch fremd sind. Mit frappierender Klarheit lässt er Obertöne singen. Einen besonders spannenden Vergleich kann man im A-Dur-Intermezzo und der g-Moll Ballade ziehen: Erst vor Wochenfrist hatte Grigory Sokolov nebenan im Großen Festspielhaus diese beiden Stücke meisterhaft als Zugaben vorgetragen, Volodos bringt die lyrischen Sphären sogar noch einen Tick zarter zum Schweben, sein Pianissimo ist hier und da noch eine Nuance subtiler. Auch besitzt die Ballade bei Volodos mehr rhythmische Elastizität, er verfolgt die etwas stringentere agogische Linie. Dafür fällt die Ornamentik bei Sokolov funkelnder aus als etwa bei Volodos Umgang mit den Trillerfiguren in der „Romanze“. Bei einem derart beinahe schon verschwenderisch luxuriösen Line-Up von Brahms-Exegeten kann man nur sagen: Gut, dass man sich dieser Tage in Salzburg nicht zwischen beiden entscheiden muss! Im f-Moll-Intermezzo spitzt Volodos die thematischen und emotionalen Entwicklungen expressiv zu, im es-Moll-Intermezzo lässt er Einzeltöne gewichtig schweben und erzeugt im Saal eine Spannung von geradezu greifbarer Intensität.

Tiefgründige Ästhetik

Ohne Pause (!) folgt Schuberts A-Dur-Sonate D 959, auch die hat Volodos schon im Studio eingespielt. Kraftvoll pointierte Anfangsakkorde des „Allegro“ werden abgelöst von wunderbar luftigen Arpeggien, das die Durchführung markierende Thema über pulsierenden Achteln erhält eine frappierende Dringlichkeit, mit samtweich getupftem, gleichwohl markantem Staccato klingt der Satz aus. Schon fast einer „Andacht“ kommt der zweite Satz gleich, neben warmer lyrischer Färbung nimmt Volodos sich – nicht nur in den Generalpausen des Schlusssatzes – immer wieder Zeit für musikalische Zäsuren. Die akzentuiert abfallenden Sforzato-Spitzen des Anfangsmotivs im „Scherzo“ treffen ins Schwarze, dazwischen leuchten silbrig glänzende Diskanttöne. Mehr tiefgründige Klangästhetik geht nicht, selbst „Schubert-Papst“ Alfred Brendel stellt er damit in den Schatten. Musikalische „Längen“ in der ausladenden formalen Anlage sind bei Volodos undenkbar, am liebsten würde man nahtlos die komplette Trias der letzten Sonaten hören. Mit Sokolov wiederum gemeinsam hat er die Großzügigkeit im Zugabenteil: Federico Mompous (1893-1987) „El lago“, Schuberts cis-Moll-Menuett D 600, Brahms´ Intermezzo op. 117/1, die Bach/Vivalid-Adaption des „Siciliano“ BWV 596 und Skrjabins Prélude op. 2/2 sind echte Volodos-Perlen, an denen man sich nicht satthören kann und mit denen er sich für stehende Ovationen bedankt. Auf nurmehr ca. 50 Termine hat Volodos die Anzahl seiner jährlichen Recitals heruntergefahren, seit er vor Jahren sein konzertierendes Dasein grundlegend überdacht hat. Die solchermaßen rar gewordenen Auftritte bleiben ohne Übertreibung das, was sie schon immer waren: Abende voller pianistischer Magie.

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Kritik von Thomas Gehrig



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Solistenkonzert: Arcadi Volodos

Ort: Mozarteum: Großer Saal,

Werke von: Johannes Brahms, Franz Schubert

Mitwirkende: Arcadi Volodos (Solist Instr.)

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