> > > > > 31.10.2020
Mittwoch, 2. Dezember 2020

Peter Brooks Fassung in Bremerhaven

Überzeugendes Plädoyer für Carmen

Als Don José in zögerlichem Tonfall am Ende Carmen die Frage stellt, ob sie ihn liebe, antwortet diese mit Nein. Diese Absage ist nicht nur eine Konsequenz aus seinem Verhalten, in der Tat hatte er es mit einer solchen Vielzahl von konkurrierenden Liebhabern aufzunehmen, dass er nie eine faire Chance hatte. Da gibt es in Prosper Merimees Novelle, die der Oper zugrunde liegt, zunächst einmal einen lästigen Ehemann, den er aus dem Wege räumt. Weiterhin hat er es mit Leutnant Zuniga und dem Stierkämpfer Escamillo zu tun, die ihm reichlich zu schaffen machen. Letztendlich müsste der Mann, mit dem Carmen zusammenleben könnte, erst noch geboren werden. Und so bleibt ihr nur die durch eine männliche Sicht bestimmte Zuordnung zu einem Weiblichkeitskonzept, das man gemeinhin als Femme fatale bezeichnet. Eine schöne, intelligente Frau von betörender Sinnlichkeit, die allerdings die christliche, bürgerliche, juristische Weltordnung gefährdet. Eben das war es, was schon die Uraufführung von Bizets Carmen zum Skandal werden ließ, was deren Welterfolg bis heute aber nicht verhinderte. Dämonisierende, sinnliche Weiblichkeit und damit verbunden die stereotype Wahrnehmung der schönen Zigeunerin als sexuelles Wunsch- und Angstbild, das übte schon immer eine Faszination aus, bestimmte allerdings auch die Rezeption. Peter Brook betont in seiner zusammen mit Jean-Claude Carrière und Marius Constant durchgeführten und 1982 uraufgeführten Version, die die Geschichte auf das Wesentliche reduziert, den Tragödiencharakter. 

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Kritik von Michael Pitz-Grewenig

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Carmen: Fassung Peter Brook

Ort: Stadttheater,

Werke von: Georges Bizet

Mitwirkende: Judith Kuhn (Solist Gesang)

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